Donald Trump verzichtet auf Beratung

Nach harscher Kritik an seiner Haltung zur Gewalt in Charlottesville hat der US-Präsident kurzerhand zwei seiner Beraterkreise aufgelöst. Donald Trump reagiert damit auf eine regelrechte Rücktrittswelle der Mitglieder.
Donald Trump (picture-alliance/newscom/UPI Photo/J. Angelillo)
"Statt Druck auf die Geschäftsleute das Industrierates (Manufacturing Council) und des Strategie- und Politikforums (Strategic and Policy Forum) auszuüben, beende ich beide", verkündete US-Präsident Donald Trump per Kurzbotschaftendienst Twitter." Und er fügte hinzu: "Dank an alle."

Zuvor hatte bereits das Strategieforum nach eigenen Angaben seine Selbstauflösung beschlossen. In einer Mitteilung der Mitglieder hieß es, "der Präsident und wir" hätten die Entscheidung getroffen. Der Streit über die Teilnahme an dem Gremium lenke inzwischen von dessen Zielen ab. "In diesem Land haben Intoleranz, Rassismus und Gewalt absolut keinen Platz", betonten die Mitglieder.
Berater auf dem Rückzug
Schon in den vergangenen Tagen waren mehrere Topmanager aus den Gremien ausgetreten. Dazu gehörten die Chefs der Unternehmen Merck, Intel, 3M und Under Armour. Auch der Vorsitzende des Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO verlies den Industrierat. Noch am Dienstag hatte Trump dazu erklärt, für jeden, der den Rat verlasse, habe er mehrere, die deren Plätze einzunehmen würden.
Kenneth Frazier (picture alliance/AP Photo/M. Lennihan)
Übte heftige Kritik an Trump: Merck-Boss Kenneth Frazier
Ursprünglich zählten die beiden Beratergremien jeweils etwa 20 Mitglieder. Die Kreise hatten sich bisher allerdings nur selten getroffen. Die Gremien hatten zudem keine Entscheidungsmacht und waren von Trump wohl eher dazu gedacht, medienwirksam seine Nähe zur Wirtschaft zu demonstrieren.
Doch damit ist nun Schluss. Mit Blick auf Trumps umstrittene Äußerungen nach den Vorkommnissen in Charlottesville/Virginia zitierten US-Medien einen Konzernvorstand mit den Worten: "Angesichts der Kommentare der vergangenen Tage wollte niemand weiterhin als ein Unterstützer dieser Art von Entzweiung gelten."
"Sehr anständige Leute"
Bei einem Neonazi-Aufmarsch am vergangenen Samstag war ein mutmaßlicher Rechtsextremist in eine Gruppe von Gegendemonstranten gefahren, hatte dabei eine Frau getötet und mehrere Teilnehmer schwer verletzt. Zudem kam es zu schweren Zusammenstößen. Trump löste seitdem parteiübergreifend Kritik aus, weil er rechte und linke Extremisten gleichermaßen verantwortlich machte statt die Rechtsradikalen ausdrücklich zu verurteilen. Am Dienstag hatte er bei einer viel beachteten Pressekonferenz in New York erklärt, es gebe Schuld, aber auch "sehr anständige Leute" auf beiden Seiten.
Neben den US-Demokraten kritisierten auch hochrangige republikanische Parteikollegen die Wortwahl des Präsidenten, darunter die ehemaligen Amtsinhaber George Bush und George W. Bush. Der Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, nannte Trump zwar nicht beim Namen, unterstrich aber: "Es gibt keine guten Neonazis." In Deutschland verurteilten Justizminister Heiko Maas und SPD-Chef Martin Schulz Trumps Äußerungen als Verharmlosung rechter Gewalt
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