UKRAINE-KRISE
Nur wenige Stunden nach dem jüngsten
Ukraine-Krisentreffen hat es im Osten des Landes erneut Tote und Verletzte
gegeben. An einer Bushaltestelle explodierte eine Granate. Unklar ist die
Situation am Donezker Flughafen.
Die Außenminister Lawrow, Steinmeier, Klimkin und
Fabius beim Krisentreffen am Mittwoch in Berlin. Diplomatische Bemühungen zerbröseln
Weitgehend von Anschlägen verschonten
Stadtviertel der von Rebellen gehaltenen Stadt Donezk. Prorussischen
Aufständischen zufolge kamen mindestens neun Menschen ums Leben, neun weitere
wurden verletzt. Andere Quellen sprechen von bis zu 13 Toten. Die Granate
zerstörte einen Bus und ein Auto.
Die Separatisten machten die ukrainische Armee für die
Explosion verantwortlich. "Das Feuern auf zivile Ziele und der Tod
friedlicher Bürger erschweren die Gespräche mit der Regierung in Kiew",
sagte Separatistenführer Denis Puschilin. Die ukrainische Führung äußerte sich
zunächst nicht zu dem Vorfall.
Das ukrainische Verteidigungsministerium wies
seinerseits den Rebellen die Schuld zu. Der Anschlagsort sei 15 Kilometer von
dem nächstgelegenen Truppenstandort entfernt.
Rückzug vom Flughafen?
Der bereits weitgehend zerstörte Flughafen von Donezk
ist weiterhin umkämpft. Die ukrainischen Truppen haben sich nach eigenen
Angaben aus dem Hauptteil des Flughafens zurückgezogen. Einen kompletten Abzug
bestritt das Verteidigungsministerium in Kiew jedoch.
Bei heftigen Gefechten starben seit dem Wochenende
mindestens acht Aufständische und sechs Armeesoldaten. Den
Angaben der Konfliktparteien zufolge gab es auf beiden Seiten jeweils
mindestens 16 Verletzte.
Die Kämpfe um den strategisch wichtigen
Flughafen und der Anschlag auf die Bushaltestelle in Donezk sind ein weiterer
Rückschlag für die diplomatischen Bemühungen, den Konflikt in der Ostukraine zu
befrieden. Nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (OSZE) hat es auf beiden Seiten bislang insgesamt mehr als 5000 Tote
gegeben. Rund eine Million
Am Mittwoch hatten die Außenminister Russlands, der
Ukraine und Frankreichs sich auf Einladung des deutschen Chefdiplomaten
Frank-Walter Steinmeier in Berlin zum vierten Mal in Folge getroffen. In den
Gesprächen suchten Sergej Lawrow, Pawlo Klimkin und Laurent Fabius nach Wegen,
das Waffenstillstandsabkommen von Minsk aus dem September vergangenen Jahres
umzusetzen. Der deutsche Außenminister sprach von einem "sehr schwierigen
Unterfangen", das "an die Grenzen der Geduld" gehe.
Etwas optimistischer äußerte sich der außenpolitische
Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Franz Josef Jung, im Interview der
DW. Es sei "ein Stück Fortschritt" erzielt worden. Der Außenpolitiker
setzt weiter Hoffnung auf diplomatische Fortschritte bei einem geplanten
Gipfeltreffen in der kasachischen Hauptstadt Astana. Dort hatten sich -
eigentlich noch für den Januar, Wladimir Putin, Francois Hollande, Petro
Poroschenko und Bundeskanzlerin Angela Merkel verabredet.
Abkommen ohne Fortschritt
Das Minsker Abkommen umfasst zwölf Punkte, darunter
die Festlegung einer Demarkationslinie, die beidseitig von einer je 15
Kilometer breiten Pufferzone gesäumt werden soll. In dieser Pufferzone liegt
auch der Flughafen von Donezk. Von dort wie aus dem gesamten Gebiet sollen
unter Aufsicht der OSZE schwere Waffen und Kriegsgerät abgezogen werden.
Umstritten ist weiterhin auch die Frage, was aus den
Gebietsgewinnen der Separatisten wird. Russlands Außenminister Lawrow hatte vor
dem Berliner Treffen gesagt, die prorussischen Rebellen hielten mehr
Territorium, als ihnen im Minsker Abkommen zugesprochen worden sei. Nach
Angaben der ukrainischen Regierung geht es dabei um eine Fläche von 500
Quadratkilometern. Ob die Aufständischen dieses Gebiet wieder abgeben müssen,
wurde in Berlin jedoch nicht diskutiert.

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