GROSSBRITANNIEN ...3,2,1: B-Day! Die Briten entscheiden

GROSSBRITANNIEN

...3,2,1: B-Day! Die Briten entscheiden

Großbritannien - raus aus der EU? Oder drinbleiben? Wie läuft der Tag ab und was passiert danach? Barbara Wesel (London) und Bernd Riegert (Brüssel) geben einen Überblick.
Flaggen Großbritanniens und der EU vor Big Ben (Foto: Reuters)
Donnerstag, 23. Juni
07:00 Uhr (Ortszeit), 08:00 Uhr Mitteleuropäische Sommerzeit MESZ
Die Wahllokale in England, Wales, Schottland und Nordirland (Gibraltar ab 08:00 Uhr MESZ) öffnen. Bereits auf dem Weg zur Arbeit können die 46,5 Millionen registrierten Wählerinnen und Wähler ihr Kreuzchen mit dem Bleistift machen. Sie sollen folgende Frage auf dem Wahlzettel beantworten: "Sollte das Vereinigte Königreich Mitglied der Europäischen Union bleiben oder die Europäische Union verlassen?"
Das Ergebnis des Referendums hängt auch mit der Höhe der Wahlbeteiligung zusammen. Je mehr Wähler abstimmen, desto besser sind die Chancen für "Remain", den Verbleib Großbritanniens in Europa. Zu erwarten ist, dass quasi alle Verfechter des EU-Ausstiegs zur Abstimmung gehen werden. "Leute sagen mir, sie würden über zerbrochenes Glas kriechen, um für 'Leave' zu stimmen", behauptet Nigel Farage, der für die europafeindliche UKIP-Partei für den Austritt kämpft. Die Stimmen der Unentschiedenen oder wenig engagierten Briten werden also das Ergebnis bestimmen.
09:50 Uhr (Ortszeit), 10:50 Uhr MESZ
In Brüssel schauen EU-Beamte, Kommissare und Abgeordnete mit Spannung auf das Referendum, aber der Donnerstag ist ein normaler Arbeitstag und deshalb herrscht "business a ususal". EU-Parlamentspräsident Martin Schulz empfängt am Vormittag den Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas. Der Palästinenserführer wird am Nachmittag in einer feierlichen Sitzung zu den Europa-Abgeordneten sprechen, auch zu den britischen. Viele sind allerdings nicht in Brüssel. Die meisten der 73 britischen Abgeordneten haben Wahlkampf für "Remain" oder "Leave" gemacht und warten in ihren Wahlkreisen auf das Ergebnis, das sie ihren Job kosten könnte.
ca. 10:00 Uhr (Ortszeit), 11:00 Uhr MESZ
Medienwirksam werden Premier David Cameron und der oberste Brexit-Anhänger Boris Johnson vor laufenden Kameras ihre Stimmen abgeben. Prominente Politiker tun dies immer in ihren eigenen Wahlkreisen. Auf jeden Fall wollen sie in den Nachrichtensendungen am Mittag präsent sein. Der eigentliche Wahlkampf aber hat am Vorabend geendet, es gibt keine weiteren öffentlichen Auftritte an diesem Tag.
Noch im Laufe dieses Tages aber sind freiwillige Wahlhelfer unterwegs, um die Bürger zu den Wahlurnen zu bewegen. Die Stimmen regelrecht von Haustür zu Haustür einzusammeln, gehört in Großbritannien zur Tradition. Die Wahlbeteiligung könnte ähnlich hoch liegen wie 2015 bei den letzten Unterhauswahlen, 66,1 Prozent. Die Queen, die sich nie politisch äußert, wird übrigens auch nicht wählen gehen.
Karte EU ohne Großbritannien (DW-Symbolbild)
Bald ein weißer Fleck? Die Europäische Union ohne das Vereinigte Königreich
11:15 Uhr (Ortszeit), 12:15 Uhr MESZ
Die tägliche Pressekonferenz der EU-Kommission in Brüssel: "Wir warten auf das Ergebnis und werden entsprechend reagieren", wird der Sprecher sagen oder etwas ähnliches. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat immer wieder dafür geworben, dass Großbritannien Mitglied bleibt. Juncker empfängt am B-Day den Präsidenten Israels und wird "bis in den späten Abend hinein sehr beschäftigt sein", teilte die EU-Kommission mit. Sollte es einen Austritt Großbritanniens aus der EU geben, werde Jean-Claude Juncker nicht zurücktreten, sagte sein Sprecher bereits am Mittwoch.
22:00 Uhr (Ortszeit), 23:00 Uhr MESZ
Die Wahllokale in den 382 Wahlbezirken schließen. Es wird anders als bei nationalen Wahlen keine Exit-Polls, also Wählerbefragungen direkt an den Wahllokalen, geben. Das Referendum ist in dieser Form einmalig und die Wahlforscher haben keine Vergleichsdaten aus früheren Jahren, um Prognosen zu erstellen.
Es gibt jedoch private Exit-Polls von Hedge Fonds, die früh eine Idee vom Ergebnis haben wollen. Sie setzen große Summen auf das steigende oder fallende Pfund, je nachdem wie die Wähler entscheiden.
ca. 23:30 Uhr (Ortszeit), 00:30 Uhr MESZ (Freitag)
In Sunderland im Nordosten des Landes wird das erste Einzelergebnis erwartet. Die Stimmen werden traditionell einzeln per Hand ausgezählt. Im Laufe der Nacht werden dann nach und nach die Einzelergebnisse aus allen Wahlbezirken veröffentlicht und addiert.
David Cameron (Foto: picture alliance)
Bleibt er oder geht er? Camerons Schicksal hängt am Referendum
Freitag 24. Juni
ca. 04:00 Uhr (Ortszeit), 05:00 Uhr MESZ
Am frühen Morgen müssten mehr als 50% der Stimmen ausgezählt sein und ein Trend sollte sichtbar werden. Allerdings können Einzelergebnisse zu diesem Zeitpunkt noch verzerrend wirken, etwa aus Universitätsstädten wie Oxford oder Cambridge, von denen ein starkes Votum für Europa zu erwarten ist. Je nachdem, wie weit der Abstand zwischen den Lagern ist, kann es noch Stunden dauern, bis ein belastbares Ergebnis vorliegt. Je knapper, desto länger muss bis zum letzten Wahlbezirk gezählt werden.
ca. 07:00 Uhr (Ortszeit), 08:00 Uhr MESZ
Bleiben oder gehen? Das Endergebnis wird erwartet. Eventuell etwas später, denn wenn es wirklich knapp wird, müssen die Stimmen von Briefwählern noch vollständig ausgezählt werden.
Kurz darauf, egal wie das Ergebnis aussieht, wird Premierminister David Cameron in London ein Statement abgeben. Auch für den Fall eines Brexits hat er seinen unmittelbaren Rücktritt ausgeschlossen. Entscheiden sich die Briten für den Verbleib in der EU, wird Cameron die schwierige Aufgabe haben, das gespaltene Land und seine konservative Partei wieder zu einen. Die während der monatelangen Kampagne aufgerissenen Gräben sind tief. Kommt der Brexit, dürfte er allerdings nur noch übergangsweise im Amt verbleiben. Der Kampf um den Vorsitz der konservativen Partei und die Anwartschaft auf seine Nachfolge hat hinter den Kulissen schon begonnen.
07:00 Uhr (Ortszeit), 08:00 Uhr MESZ
Die Vorsitzenden der Fraktionen im Europäischen Parlament treffen sich in Brüssel, um den Ausgang des Referendums zu beraten. Eine Mehrheit tendiert dazu, im Falle eines Falles eine schnelle Trennung von Großbritannien zu vollziehen. Ein Jahr sollte reichen, um die EU-Verträge zu entwirren und den Austritt zu organisieren. Unklar ist, wie lange es dauert, um das neue Verhältnis Großbritanniens zur EU zu gestalten. Wird Großbritannien ein normaler Drittstaat wie die USA oder Saudi-Arabien? Oder erhält es eine privilegierte Partnerschaft? Oder tritt es der Europäischen Freihandelszone (EFTA) mit entsprechenden Rechten und Pflichten wie Norwegen und die Schweiz bei?
08:30 Uhr (Ortszeit), 09:30 MESZ
Als erster Spitzenvertreter der EU tritt Parlamentspräsident Martin Schulz in Brüssel vor die Kameras, um den Ausgang des Referendums zu bewerten.
09:00 Uhr (Ortszeit), 10:00 Uhr MESZ
Die Börse in London öffnet. Im Falle eines Brexit könnten das britische Pfund und die Aktienkurse schwer unter Druck geraten. Manche Analysten sahen einen schwarzen Freitag voraus.
Martin Schulz, Jeroen Dijsselbloem, Jean-Claude Juncker und Donald Tusk (Foto: picture aliiance)
Schulz (l.), Juncker (M.), Tusk (r.): Wohin steuert Europa?
09:30 Uhr (Ortszeit), 10:30 Uhr MESZ
Die drei Präsidenten der größten EU-Institutionen, Kommission, Rat und Parlament treten zu Beratungen zusammen. Anschließend sollen Jean-Claude Juncker, Ratspräsident Donald Tusk und Martin Schulz die Frage beantworten: Was nun, Europa? Den ganzen Morgen über werden natürlich die Telefone zwischen Brüssel und den übrigen europäischen Hauptstädten heiß laufen. Berlin und Paris haben eine gemeinsame Erklärung vorbereitet. Vielleicht schließt sich auch Polen dieser Erklärung an.
13:00 Uhr (Ortszeit) 14:00 Uhr MESZ
In Luxemburg tritt der "Allgemeine Rat der Europäischen Union" zu einer Sondersitzung zusammen. Der Rat, der normalerweise nur mit Staatssekretären oder anderen politischen Beamten besetzt ist, soll die Schlussfolgerungen vorbereiten, die der EU-Gipfel in der kommenden Woche beschließen soll. In diesen Schlussfolgerungen wird der Weg vorgezeichnet, den Großbritannien und die EU nach dem Referendum gehen sollen: Eine schnelle blutige Scheidung, ein langer Verhandlungsprozess - oder bleibt einfach alles so, wie es ist? Wegen der besonderen Bedeutung fliegt Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ausnahmsweise selbst nach Luxemburg.
Samstag, 25. Juni
Die Außenminister der sechs Gründungsstaaten der Europäischen Union, die 1957 die "Römischen Verträge" unterschrieben haben, treffen sich in Berlin oder Brüssel. Die Minister aus den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Italien und Deutschland wollen beraten, was im Falles eines Ausstiegs des Vereinigten Königreichs passieren muss in der EU: Weitere Vertiefung der Zusammenarbeit in der EU oder eine Lockerung derselben oder die Gründung eines Kerneuropas aus eben diesen sechs Staaten?
Sonntag, 26. Juni
Das deutsch-französische Tandem, die oft beschriebene Herzkammer der Europäischen Union, ist gefragt: Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Francois Hollande wollen sich entweder in Berlin oder Paris treffen. Sie müssen Antworten finden und das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs vorbereiten.
Francois Hollande und Angela Merkel (Foto: Reuters)
Der nächste Gipfel steht bevor: Hollande und Merkel wollen Führung zeigen
Dienstag, 28. Juni und Mittwoch, 29. Juni
In Brüssel tritt der "Europäische Rat" zusammen, in dem die 28 Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten zusammen sitzen. 28? Vielleicht ist der britische Premierminister David Cameron gar nicht mehr oder nur noch geschäftsführend dabei, falls sein Volk den Ausstieg will. Sollten die Briten fürs "Bleiben" gestimmt haben, könnte Cameron auftrumpfen und einen weiteren Ausbau der Sonderrolle Großbritanniens verlangen. Die EU würde dann auf jeden Fall die Beschlüsse umsetzen, die bereits im Februar auf einem Sondergipfel gefasst worden waren: Das Ziel einer enger werdenden Zusammenarbeit "Ever closer union" wird für die Briten gestrichen. Sozialleistungen an EU-Bürger, die in Großbritannien leben, werden eingeschränkt. Die Euro-Währungsgemeinschaft, der Großbritannien nicht angehört, wird so ausgebaut, das der Finanzplatz London nicht beeinträchtigt wird.

La crisis en Volkswagen se da por terminada.

EMPRESAS

Presidente de VW se disculpa por escándalo de emisiones

Matthias Müller dijo que, pese a la crisis por la manipulación de datos sobre emisiones, el consorcio es "financieramente robusto" y propuso el pago de dividendos a accionistas.
Aspecto de la asamblea de accionistas de VW en Hannover
Aspecto de la asamblea de accionistas de VW en Hannover
El presidente de Volkswagen (VW), Matthias Müller, dijo hoy ante los accionistas que las autoridades alemanas han autorizado la llamada a revisión en Europa de un millón de vehículos diésel más, afectados por la manipulación de las emisiones de gases.
Müller propuso hoy en nombre del consejo de supervisión y de la junta directiva el reparto de un dividendo pese a la crisis que atraviesa el fabricante automovilístico alemán por la manipulación de los motores diésel.

Volkswagen celebró hoy su junta general de accionistas en la ciudad de Hannover, en el norte de Alemania, nueve meses después de que saliera a la luz el trucaje de los motores diésel.Recomendó ante los accionistas el reparto de 0,11 euros por acción ordinaria y de 1,17 euros por acción preferente.
Con la autorización de la Oficina Federal de Transporte Automovilístico (KBA por sus siglas en alemán) son ya 3,7 millones de vehículos con motor EA 189 los que ya pueden ser revisados.
En total están afectados por la manipulación 11 millones de vehículos, de ellos 8,5 millones en Europa.
El presidente de la junta directiva de Volkswagen se disculpó ante los accionistas, que en algunos casos han dejado de confiar en la compañía alemana.
No obstante, Müller dijo que pese a la crisis actual, "Volkswagen es financieramente robusto".
Investigan a Winterkorn
El presidente del consejo de supervisión de Volkswagen, Hans Dieter Pötsch, defendió ante los accionistas la actuación de la junta directiva al informar sobre la manipulación de las emisiones de gases en motores diésel.
Pötsche, que anteriormente fue director de finanzas del mayor fabricante automovilístico de Europa, recomendó también ante los accionistas "la exculpación de la junta directiva" en la manipulación de las emisiones de gases en vehículos diésel.
La Fiscalía de Braunschweig (norte de Alemania) investiga al antiguo presidente de Volkswagen Martin Winterkorn y al actual jefe de la marca VW, Herbert Diess, por sospecha de manipulación del mercado en la manipulación de las emisiones de gases en vehículos diésel.
Se sospecha que informaron demasiado tarde de la manipulación de las emisiones y de las consecuencias económicas que podía tener para la compañía.
Pötsch dijo en la junta general de accionistas que "publicamos inmediatamente las acusaciones" y que Volkswagen "ha cooperado desde el principio con todas las instituciones incondicionalmente" para esclarecer las causas de la manipulación.
Winterkorn dimitió en septiembre del año pasado después de que saliera a la luz la manipulación y ha insistido en todo momento en que no sabía nada.
Volkswagen dijo a comienzos de marzo que Winterkorn fue informado a tiempo, en mayo de 2014, de la manipulación pero ha insistido en que la junta directiva de la compañía no violó el deber de comunicar informaciones relevantes de la empresa para los mercados financieros.
EL(efe, reuters)

DemokratenUS-Kongress: Demokraten wollen neues Waffenrecht mit Sitzstreik erzwingen

US-Kongress: Demokraten wollen neues Waffenrecht mit Sitzstreik erzwingen

Sit-in im US-Repräsentantenhaus
AFP
Sit-in im US-Repräsentantenhaus
Die Etikette wird im US-Kongress hochgehalten, doch ein Dutzend demokratischer Abgeordneter widersetzt sich mit einem Sit-in: Sie wollen bleiben, bis über ein schärferes Waffenrecht abgestimmt wird.
Abgeordnete der US-Demokraten haben mit einem Sitzstreik im Plenarsaal des Repräsentantenhauses für eine Verschärfung der Waffengesetze demonstriert. Die Abgeordneten würden sitzen bleiben, "bis gehandelt wird", sagte der Parlamentarier John Lewis, eine bekannte Figur der Bürgerrechtsbewegung der Sechzigerjahre."Wie viele Mütter, wie viele Väter werden noch Tränen der Trauer vergießen müssen, bevor wir etwas tun?", sagte Lewis. Er und die anderen Abgeordneten wollen mit ihrem Sitzstreik eine Abstimmung darüber erzwingen, dass niemand Waffen kaufen dürfe, der auf sogenannten No-Fly-Listen geführt werde, also im Zusammenhang mit einem Terrorismusverdacht steht.
Zuvor hatte sich die republikanische Mehrheit geweigert, über Gesetzesentwürfe zur Einschränkung des Rechts auf Waffenbesitz abstimmen zu lassen. Nach Beginn des Sit-ins wurde die Plenarsitzung von ihrem republikanischen Leiter unterbrochen. Ein Ende des Sitzstreiks war zunächst nicht abzusehen.
Das Sit-in war in der Bewegung für die Gleichstellung der Schwarzen eine häufig praktizierte Form des Protests. Im US-Kongress, wo das Protokoll normalerweise penibel respektiert wird, ist es allerdings eine höchst ungewöhnliche Aktion.
Lewis begründete die Aktion im Interview mit dem Nachrichtensender CNN damit, dass es manchmal notwendig sei, "eine Regel zu brechen", um "ein übergeordnetes Gesetz, ein moralisches Gesetz, aufrechtzuerhalten". Der 76-jährige ist ein über die Parteigrenzen hinweg respektierter Parlamentarier, der manchmal als "Gewissen des US-Kongresses" bezeichnet wird.
John Lewis mit Abgeordneten im SitzstreikZur Großansicht
AP
John Lewis mit Abgeordneten im Sitzstreik
Seit dem von einem mutmaßlich islamistischen Attentäter verübten Angriff auf einen Schwulen- und Lesbenclub in Orlando mit 49 Todesopfern am vorvergangenen Wochenende haben die Demokraten ihre Kampagne für Restriktionen im Waffenrecht verstärkt.
In der vergangenen Woche bewirkten sie im Senat mit einem Filibuster, also einer Marathonrede, dass das Oberhaus sich mit zwei entsprechenden Gesetzesinitiativen befasste.Allerdings wurden diese dann am Montag von der republikanischen Mehrheit abgeschmettert. Die Entwürfe sahen vor, Terrorverdächtigen den Kauf von Schusswaffen zu verbieten und die Überprüfungen potenzieller Waffenkäufer auszuweiten.
Das Sit-in bezeichnete der republikanische Repräsentantenhaus-Sprecher Paul Ryan im Fernsehsender CNN dann auch als Werbegag. Die Demokraten würden ihr Ziel damit nicht erreichen.
Präsident Barack Obama hingegen dankte Lewis über den Kurznachrichtendienst Twitter für seine Aktion. Obama war in den vergangenen Jahren immer wieder mit Anläufen zur Einschränkung des in der US-Verfassung verankerten Rechts auf Waffenbesitz am Widerstand der Republikaner im Kongress gescheitert.

London.-Brexit-Machtkampf in Großbritannien: Boris gegen Dave


Aus London berichtet Christian Teevs
Johnson vs. Cameron: Die Rivalen
AFP
Heute stimmen die Briten über den Verbleib in der EU ab. Das Referendum ist auch der Machtkampf zweier Männer - David Cameron und Boris Johnson. Die Parteifreunde sind bereits seit ihrer Schulzeit Rivalen.
Brexit
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Der Mann, den alle nur Boris nennen, ist in seinem Element. Es ist die Abschlussdebatte des Brexit-Wahlkampfs, Wembley-Arena, 6000 Zuschauer sind gekommen, Millionen Briten verfolgen das Spektakel live bei der BBC. "Dieser Donnerstag wird unser Unabhängigkeitstag", ruft Boris Johnson, Ex-Bürgermeister von London und Gegenspieler von Premierminister David Cameron."Die EU-Anhänger wollen Euch doch nur Angst zu machen", schimpft Johnson. "Angst vor den wirtschaftlichen Folgen, Angst vor den Reaktionen der anderen Europäer. Sie unterschätzen unsere Stärke, die Stärke Großbritanniens." Die Brexit-Befürworter in der Wembley-Arena grölen vor Begeisterung. Sie lieben Johnsons patriotische Appelle, der 52-Jährige mit der hellblonden Wuschelfrisur ist ihr Star, der beliebteste Politiker Großbritanniens.
Johnsons Attacken gegen die "Remain"-Kampagne sind dabei immer auch Angriffe auf seinen Parteifreund Cameron. Seit der gemeinsamen Schulzeit im Elite-Internat Eton versucht Boris, David zu übertrumpfen. Zwei Jahre älter als Cameron, machte Johnson sich bereits früh einen Namen als kreativer Rebell, der heutige Premierminister dagegen galt als Musterschüler, schreibt Sonia Purnell in ihrer Biografie "Just Boris". Beide Männer studierten in Oxford und zogen 2001 für die Konservativen ins Parlament ein.
Spätestens 2011 habe Johnson seine Ambitionen auf das Amt des Premierministers offen zur Schau gestellt, schreibt Purnell. Seit Cameron vor vier Monaten den Zeitpunkt des EU-Referendums festlegte und Johnson die Führung der Brexit-Kampagne an sich riss, ist er seinem Ziel einen großen Schritt näher gekommen.
Am Donnerstag stimmen die Briten ab, ob sie die EU verlassen wollen oder nicht. Prognosen sind schwierig: Die Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus.
Hinter der Entscheidung steht der Machtkampf zweier Männer. Boris gegen Dave, Tory gegen Tory - das Duell prägte den Brexit-Wahlkampf. Die Opposition kam kaum vor, die sozialdemokratische Labour-Partei mit ihrem blassen Vorsitzenden Jeremy Corbyn spielte in der öffentlichen Debatte nahezu keine Rolle.
Kurios dabei ist: Sowohl Cameron als auch Johnson sind von den Positionen, die sie im Wahlkampf lautstark vertraten, nicht wirklich überzeugt. Der Amtsinhaber ist ebenso wenig ein enthusiastischer EU-Befürworter wie sein Herausforderer ein leidenschaftlicher EU-Hasser.
Die EU mache ihn verrückt, sagt Cameron
Cameron verdankt seinen politischen Aufstieg nicht zuletzt seiner EU-skeptischen Haltung. Diese legte er erst Anfang des Jahres ab. Am 20. Februar gab der Premierminister den Termin des Referendums bekannt - und trommelt seitdem für die EU. Jene EU, die er zuvor 15 Jahre lang öffentlich kritisiert hatte.
Diesen Kurswechsel kaufen ihm viele Briten nicht ab. Zumal seine Ambivalenz weiterhin sichtbar ist. Cameron merkt bei seinen Wahlkampfauftritten regelmäßig an, dass die EU viele Fehler habe und die Bürokratie ihn manchmal verrückt mache.
Dass er nun derart ins Schwimmen gerät, hat Cameron sich selbst zu verdanken. Er hatte gehofft, mit dem Referendum die EU-Skeptiker in seiner Partei ruhig zu stellen. Stattdessen hat er die Tories tief gespalten. Die Hälfte der Abgeordneten steht auf seiner Seite, die andere hält zu Johnson. Unter den konservativen Wählern wünschen sich deutlich mehr den Brexit. Selbst wenn die Briten für "Remain" stimmen, dürfte Cameron es Beobachtern zufolge schwer haben, sich länger als zwei weitere Jahre im Amt zu halten.
Johnson entschied sich taktisch
Und Johnson? Der Ex-Bürgermeister von London ist eine Marke in Großbritannien. Selbst als bekannt wurde, dass er sowohl seine ehemalige wie auch seine jetzige Ehefrau betrogen hat, schadete ihm das nicht.
Johnson hat sich aus taktischen Gründen entschieden, die "Vote Leave"-Kampagne anzuführen. Inhaltlich ist er vom EU-Austritt nicht überzeugt,noch im August sagte er dem SPIEGEL, es gebe Vor- und Nachteile. Ein Nachteil sei, dass Großbritannien in den EU-Gremien nicht mehr für seine Interessen kämpfen könne. Und: "Zweitens müssten wir vermutlich Strafen zahlen." Mit genau diesen Konsequenzen warnt die proeuropäische Seite vor dem Brexit.
Aber Johnson kam zu dem Schluss, dass es seiner politischen Karriere eher dienen dürfte, Cameron herauszufordern als an seiner Seite zu kämpfen. Wie er offen zugab, hatte er vor seiner Entscheidung Ende Februar zwei Texte vorbereitet: einen mit seinen Gründen, warum er den EU-Verbleib unterstütze und einen mit der Begründung für den Brexit.
Johnson geht es um einen Sieg gegen Cameron. Er will die Führung der Konservativen und den Posten des Regierungschefs. Dafür ließ er Cameron, der bis zuletzt gehofft hatte, seinen beliebten Parteifreund auf seiner Seite zu haben, eiskalt auflaufen. Per SMS informierte Johnson den Ministerpräsidenten, dass er für die Brexit-Seite eintreten werde - gerade mal neun Minuten, bevor er der Presse seine Entscheidung mitteilte.
Spott über Juncker, Mythen über die EU
Seine Anhänger feiern Johnson wie einen Popstar. "Happy birthday, Boris!", rufen die Brexit-Aktivisten im Old Billingsgate, einem eleganten Konferenzsaal in der Nähe des Tower of London. Wenige Tage vor dem Referendum sind hier 200 Wahlkämpfer der "Vote Leave"-Kampagne zusammen gekommen, um sich auf den Endspurt einzustimmen.
Johnson, der an diesem Tag 52 Jahre alt wird, ist der Hauptredner. Nach reichlich drögen Auftritten von Justizminister Michael Gove und der Labour-Abgeordneten Kate Hoey fällt es ihm leicht, die Brexiteers zu begeistern. "Wenn wir dafür stimmen, in der EU zu bleiben, wird Jean-Claude Juncker das sicher mit einem teuren Champagner begießen", spottet Johnson. "Aber wir würde eine einzigartige Gelegenheit verschenken." Das Publikum johlt zustimmend.
"BoJo", wie ihn die Boulevardmedien nennen, ist ein hervorragender Redner mit einem feinen Gespür für die Vorlieben und Ängste der Wähler. Auch sein Spott über Juncker ist kalkuliert, kein EU-Politiker ist bei den Briten so unbeliebt wie der Kommissionspräsident.
Doch wie steht Johnson selbst zur EU? Als Journalist berichtete er von 1989 bis 1994 für den "Daily Telegraph" aus Brüssel. Dabei, so werfen es ihm Weggefährten wie Sonia Purnell vor, die an seiner Seite Anfang der Neunzigerjahre aus Brüssel berichtete, stellte Johnson die Pläne der europäischen Gemeinschaft bewusst übertrieben oder gar falsch dar, um auf sich aufmerksam zu machen. "Er war nicht gegen die EU, hatte sogar Sympathien für sie", schreibt Purnell. "Aber Boris mochte es, wie gut seine europakritischen Artikel ankamen."
In zahlreichen Artikeln machte Johnson sich über die Institutionen und den angeblichen Hang zur Überregulierung lustig. Er erzählte den Briten, Brüssel wolle ihnen kleinere Kondome und begradigte Bananen vorschreiben, Fischer müssten angeblich künftig Haarnetze tragen, und Kinder unter acht Jahren dürften keine Luftballons mehr aufblasen.
Egal was passiert - Johnson gewinntDer ehemalige Brüssel-Korrespondent der "Times", Martin Fletcher, wirft Johnson deshalb vor, eine "Kampagne gegen eine Cartoon-hafte Karikatur der EU zu führen, die er selbst erschaffen hat. Er macht Wahlkampf gegen eine fiktionale EU, der nahezu keinen Bezug zur Realität hat."
An Johnson prallen solche Vorwürfe ab. Er kann nur gewinnen. Johnson gilt als kommender Mann der Tories - egal wie das Referendum ausgeht. Sollte seine "Leave"-Kampagne Erfolg haben, könnte er Cameron noch in diesem Jahr als Premierminister und Parteichef beerben.
Doch auch wenn er unterliegt, dürfte Johnson seinem Ziel einen großen Schritt näherkommen. Denn um die zerstrittene Partei zu befrieden, müsste Cameron seinen Widersacher wohl ins Kabinett holen. Und dort könnte Johnson sich warmlaufen für die nächste Gelegenheit - die bei einem knappen Ergebnis am Donnerstag, so wird bereits spekuliert, ein erneutes EU-Referendum sein könnte.