Carla singt. Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy: Carla und die Operation Comeback

Nicolas Sarkozy: Mit Carla zur Operation Comeback


Von Stefan Simons, Paris
AFP
Carla singt, er kassiert den Applaus: Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy nutzt die Tournee seiner Gattin, um sich bei seinen Landsleuten als erneuter Präsidentschaftskandidat in Erinnerung zu bringen - zum Ärger seiner Parteifreunde mit einigem Erfolg.
Jeder Auftritt ein fulminanter Erfolg vor vollem Haus, stehende Ovationen, Autogramme: Die Rede ist nicht von Chansoneuse Carla Bruni, die derzeit mit ihren neuen Programm durch die Konzertsäle Frankreichs tourt. Nein, nicht die 46-jährige Sängerin und ihre "Little French Songs" werden vom Publikum gefeiert, sondern Ehemann Nicolas Sarkozy: Der gescheiterte Präsident ist der gar nicht so heimliche Star ihrer Darbietungen."Nicolas Präsident", "Nicolas, komm zurück", skandieren die Fans, Sarkozy drückt Hände, posiert für Fotos. In Béziers braucht er zehn Minuten, um sich bis zur Garderobe seiner Frau durchzukämpfen, sein Hemd ist bis auf die Haut durchgeschwitzt. "Ich kann nichts dafür, die Menschen sind zufrieden, mich zu sehen", meint er nicht ohne Chuzpe und schiebt nach: "Carla ist auf Konzertreise. Sie hat mich fünf Jahre begleitet, da kann ich ihr mal fünf Monate zur Seite stehen."
Lille, Lyon, Nancy, Cannes: Wo immer Sarkozy an der Seite seiner singenden Gattin auftaucht, stiehlt der Polit-Rentner ihr die Show. "Zusammen unterwegs", titelt Paris Match über das Promi-Duo und erklärt die Motivation des Ex-Präsidenten: "Von Stadt zu Stadt trifft er auf die Franzosen und testet seine Popularität." Und Sarkozy genießt seine Droge, das Bad in der Menge.
Sarkozys Passion für Politik ist ungebrochen
Lange hatte sich der Ex-Präsident mit öffentlichen Auftritten zurückgehalten. Als er sich nach der Wahlniederlage vom 8. Mai 2012 in einer emotionsgeladenen Rede von seinen Mitarbeitern verabschiedete, klang es wie ein Rückzug aus der Politik. Der Ex-Staatschef hielt sich forthin mit Äußerungen zurück, nur gelegentlich gab es Seitenhiebe gegen François Hollande. Dennoch war der Sozialist im vergangenen Dezember fair genug, seinen Vorgänger mit zur Trauerfeier von Nelson Mandela einzuladen.
Es war der letzte offizielle Auftritt von Sarkozy. Aber allen Dementis zum Trotz ist seine Passion für Politik ungebrochen. Von seinem Büro in der Rue de Miromesnil pflegt er die Seilschaften aus gestandenen Volkvertretern und jungen Abgeordneten. Seine Besucher sorgen dafür, dass Kritik und Kommentare über die sozialen Netzwerke verbreitet werden, derweil Sarkozy Zurückhaltung übt.
Das Bild der Sphinx gehört zur Strategie des Kommunikationskünstlers: Carla singt, Nicolas sinnt - auf sein Comeback.
Aber nicht zu früh. Deswegen gibt es mit Blick auf die nächsten Präsidentschaftswahlen 2017 Präsenz nur in homöopathischen Dosen, dafür aber regelmäßig, um nicht als Politiker der Vergangenheit abgehakt zu werden. "Postkarten" nennt Sarkozy diese Abstecher in die Provinz: Ende Januar etwa überreichte er einem Parteifreund den Orden der Ehrenlegion - die Zeremonie im Kreis von begeisterten Fans geriet zum medialen Ereignis. Als Sarkozy eine Woche später in Paris an der Seite von UMP-Bürgermeisterkandidatin Nathalie Kosciusko-Morizet erscheint, gerät das Meeting der anstehenden Pariser Kommunalwahl fast zum vorverlegten Startschuss für die Präsidentschaftskampagne.
UMP-Anhänger schwärmen voller Nostalgie für Sarkozy
Vor allem UMP-Anhänger schwärmen voller Nostalgie für Sarkozy. Dessen Rückzug aus der Partei hat die Führungsriege der Konservativen tief gespalten. Gerade deshalb sieht die Basis den früheren Staatschef als "Mann der Vorsehung" und die einzige personelle Alternative, um den Elysée zurückzuerobern. Laut Umfragen ist er unter Sympathisanten der Rechten bei über 60 Prozent der gewünschte Spitzenkandidat.Eine Beliebtheit, die parteiinternen Konkurrenten sauer aufstößt: Denn die negativen Hinterlassenschaften von Sarkozys fünfjähriger Amtszeit sind längst nicht aufgearbeitet. Und gerade die Generation der jüngeren Nachrücker will den nächsten Kandidaten nicht per Umfrage oder Popularität gekürt sehen, sondern durch demokratische Vorwahlen - für Sarkozy, der die Partei einst zur persönlichen Wahlkampfmaschine umbaute, schlichtweg ein Unding.
Er begleitet seine Frau indes weiter durch Frankreichs Provinzen: Konzerte mit Carla sind im März in Straßburg und Aix-en-Provence geplant. Zugleich vergisst der ehemalige Staatschef nicht, frühere diplomatische Kontakte zu pflegen - Besuche in USA, Großbritannien, Indien stehen auf der Liste. Und für den kommenden Freitag ist ein Treffen mit der deutschen Kanzlerin geplant: Ein Wiedersehen für das deutsch-französische Duo, das zu seiner Zeit ein wenig spöttisch als "Merkozy" beschrieben wurde.
Eine mögliche Kandidatur für 2017 soll in Berlin angeblich nicht zur Sprache kommen. "Ich brauche Distanz und Abstand", hatte Sarkozy unlängst noch betont. Und lyrisch neue Gerüchte genährt: "Wo das Meer einmal stand, dahin kehrt es auch zurück."

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