SPD-Kanzlerkandidat Schulz hat in Berlin die Pläne seiner
Partei zur Integrationspolitik vorgestellt. Die Themen Migration und
Integration sollen künftig nicht mehr beim Bundesinnenministerium angesiedelt
werden.
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will im Falle eines
Wahlsieges dem Bundesinnenministerium nicht mehr die Federführung für
Migrationspolitik und Integration von Ausländern überlassen. Die
Integrationsdebatte müsse zu mehr Zusammenhalt und nicht mehr Spaltung führen,
forderte Schulz bei einer Veranstaltung des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.
Die SPD wolle die Zuständigkeiten in Migrationsfragen
bündeln und künftig an ein starkes Fachministerium andocken, sagte ihr
Parteichef. Das könne das Ministerium für Arbeit und Soziales oder für Familie
sein. Das Ressort müsse dem Thema deutlich mehr Gewicht und Bedeutung
garantieren und über die entsprechenden Mittel verfügen. Es reiche nicht, dafür
eine Sonderbeauftragte im Kanzleramt zu haben.
Schulz kritisierte, Innenminister Thomas de Maiziere (CDU)
habe in der Debatte um Islamisten in Deutschland oder türkischstämmige Anhänger
von Präsident Recep Tayyip Erdogan das Thema der doppelten Staatsbürgerschaft
hochgekocht. "Damit macht Herr de Maiziere als zuständiger Fachminister
die Integrationsdebatte zu einer Sicherheitsdebatte und lädt sie ideologisch
auf. Ich finde, das ist gefährlich", warnte Schulz. Integration und
Teilhabe seien gesellschaftspolitische Themen und keine Frage der inneren
Sicherheit. Schulz unterstrich, er werde auf dem Recht der doppelten
Staatsbürgerschaft bestehen. "Wir sind eine
Einwanderungsgesellschaft".
Schulz fordert mehr Schutz vor Diskriminierung
Er sprach sich auch für mehr Schutz vor Diskriminierung aus.
Dafür müsse das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz weiterentwickelt werden.
Schulz betonte zugleich: "Wir müssen uns fragen, was schief läuft, wenn
junge Menschen, die hier geboren sind, in unseren Stadien einem Machthaber wie
dem türkischen Präsidenten Erdogan zujubeln oder der verführerischen
extremistischen Ideologie des sogenannten Islamischen Staates erliegen."
Dies "sollte uns in Unruhe versetzen", fügte der SPD-Vorsitzende
hinzu.
Schulz forderte erneut eine gerechtere Lastenverteilung in
Bezug auf die Flüchtlinge innerhalb Europas. Solidarität sei keine Rosinenpickerei,
sondern ein Prinzip.
Der SPD-Chef mahnte zugleich schnellere Asylentscheidungen
in Deutschland an. "Nicht jeder Bewerber wird in Deutschland bleiben
können", sagte er. Aber Entscheidungen darüber müssten so schnell wie
möglich fallen. In einer Einwanderungsgesellschaft müsse für den Zusammenhalt
gekämpft werden.
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