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Ansbach lässt sich von dem Selbstmordattentat nicht verängstigen
Bombenbau im Hotelzimmer
Bombenbau im Hotelzimmer
Der Attentäter von Ansbach lebte in einem einfachen Hotel. Keiner merkte etwas von
seinen Aktivitäten. Doch niemand kann und will alle Flüchtlingszimmer überwachen
seinen Aktivitäten. Doch niemand kann und will alle Flüchtlingszimmer überwachen
Ansbach, eine schmucke Barockstadt in Mittelfranken, ist auch am Tag 2 nach dem Selbstmordattentat geschockt. Auf den Strassen, in der Kaffeepause im Büro, es gebe praktisch kein anderes Gesprächsthema mehr, berichten Einwohner. Aber nur wenige zeigten sich verängstigt. Stolz ist man, dass die Stimmung gegenüber Asylbewerbern oder Ausländern generell bis anhin nicht gekippt ist, so wird betont. Am Montagabend hätten zwar – notabene von auswärts kommende – Rechtsgerichtete versucht, Ressentiments zu schüren, berichtet ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Aber das sei nicht geglückt.
In Ansbach wohnen derzeit über 600 Asylbewerber. Es gibt viel ehrenamtliches sowie behördliches Engagement für die Neuankömmlinge. Und mittendrin, in einem einfachen Hotel in einem normalen Wohngebiet, da baute der Attentäter Mohammad D. seine Splitterbombe, mit der er sich am Sonntagabend in der Innenstadt in die Luft sprengte. Die Bombe hatte er allem Anschein nach weitgehend unbehelligt in seiner Unterkunft zusammengebaut. Keiner seiner knapp dreissig Mitbewohner will laut ersten Stellungnahmen etwas von den Aktivitäten mitbekommen haben. Mohammad D. wird auch nicht als besonders religiös oder gar fanatisch beschrieben. Er habe schulterlanges Haar gehabt und am liebsten Jeans und Polo-Shirt getragen, heisst es.
Flüchtlinge, welche sich im Asylverfahren befinden, wohnen in Deutschland nach der ersten Ankunftszeit sehr häufig in einfachen Hotels oder Pensionen. Denn diese eignen sich ihrer Zimmerinfrastruktur wegen gut dafür, mehrere Personen über einen längeren Zeitraum hinweg adäquat unterzubringen. Im Gegensatz zu den ersten Sammelunterkünften für neu angekommene Flüchtlinge werden solche Hotels und Pensionen mit Asylbewerbern im Normalfall nicht überwacht. Es gibt auch keine Zimmerkontrollen. Das ist auch in Ansbach so. Von der Stadt war zu erfahren, dass man bisher weder in dem Hotel mit dem Attentäter noch in anderen Unterkünften gewalttätige Auseinandersetzungen unter den Bewohnern gehabt habe – und somit kein erkennbarer Bedarf für Überwachung bestanden habe.
Man verfüge ohnehin weder über finanzielle noch über personelle Ressourcen, um alle Häuser rund um die Uhr zu überwachen. Ausserdem will man ja gerade keine Internierungssituation schaffen. Dementsprechend können die Asylbewerber ungehindert kommen und gehen oder auch Besuch empfangen, ganz wie es ihnen beliebt. Der Attentäter hatte aus seiner Sicht Glück, er konnte sogar ein Einzelzimmer beziehen. Und hatte somit freie Bahn für die Vorbereitungen seiner grausamen Tat. Ob er Unterstützer im Heim oder von auswärts hatte, das ist noch offen.
Der bayrische Ministerpräsident versuchte am Dienstag mit harten Tönen seine Landeskinder zu beruhigen. Er wolle mehr Kontrollen von Flüchtlingen. Und man müsse abgelehnte und gefährliche Asylbewerber schneller abschieben. Doch niemand wusste offenbar, wie gefährlich Mohammad D. war.
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