Briten, Niederlande und Belgien wollen mitkämpfen
Ein am Dienstag von US-Streitkräften
bombardiertes Haus in Syrien.Der UN-Sicherheitsrat hat die von den USA eingebrachte
Resolution zu ausländischen Terrorkämpfern angenommen. Das mächtigste
UN-Gremium billigte die Resolution in einer Sitzung unter Vorsitz von
US-Präsident Barack Obama einstimmig. Die Resolution verpflichtet alle Länder
dazu, durch schärfere Gesetze das Reisen zu terroristischen Zwecken zu
unterbinden.
Zuvor hatte Obama die internationale Gemeinschaft bei der
UN-Generaldebatte auf den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat
(IS) eingeschworen. "Die Vereinigten Staaten von Amerika werden mit einer
breiten Koalition zusammenarbeiten, um dieses Netzwerk des Todes zu
demontieren", sagte Obama vor der UN-Vollversammlung in New York.
"Heute bitte ich die Welt, sich diesen Bemühungen anzuschließen." Die
Generaldebatte steht in diesem Jahr vor allem im Zeichen der Bedrohung durch
die IS-Miliz, die Teile von Syrien und des Irak kontrolliert.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte bei der Generaldebatte, es sei ein
"schreckliches Jahr" für die in der UN-Charta niedergeschriebenen
Prinzipien. "Von Fassbomben über Enthauptungen, vom Aushungern von
Zivilisten bis zum Angriff auf Krankenhäuser, UN-Schutzräume und Hilfskonvois -
Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit werden angegriffen."
Die US-geführte internationale Koalition gegen den Islamischen Staat
setzte ihre Angriffe auf Stellungen der Dschihadisten im Irak und in Syrien
fort. Die USA hatten am Dienstag erstmals IS-Stellungen in Syrien angegriffen;
im Irak fliegen sie schon seit Wochen Einsätze. Seit der Ausweitung auf Syrien
sollen 120 Kämpfer des IS und des Netzwerks Al-Kaida getötet worden sein. Die Angriffe galten auch Kämpfern der mit
Al-Kaida verbundenen Extremistengruppe Chorasan. Dem Pentagon zufolge plante
die Gruppe "größere Angriffe" auf Ziele in Europa und den USA.
Die Regierungen von
Großbritannien, Belgien und den Niederlanden wollen sich an den Luftangriffen
auf IS-Stellungen beteiligen. Bei einer Sitzung des britischen
Unterhauses am Freitag soll eine mögliche Beteiligung der britischen Luftwaffe
an den Angriffen auf IS-Stellungen debattiert werden. Premierminister David
Cameron teilte per Twitter mit, der Parlamentspräsident habe seiner Bitte nach
einer außerordentlichen Einberufung des Unterhauses stattgegeben. Der irakische
Regierungschef Haidar al-Abadi habe ihn um Unterstützung im Kampf gegen den IS
gebeten, erklärte Cameron.
Dafür ist die Zustimmung des Parlaments erforderlich. Die oppositionelle
Labour-Partei hat bereits ihre Unterstützung für einen entsprechenden Vorschlag
signalisiert. Britischen Medienberichten zufolge könnte die britische Luftwaffe
bereits am Wochenende mit den Angriffen beginnen. In Zypern sind sechs Kampfflugzeuge
vom Typ Tornado stationiert.
Die Regierung der Niederlande kündigte die Bereitstellung von sechs
Kampfjets vom Typ F-16 an. Unklar blieb, ob die Niederlande ihren Einsatz auf
den Irak beschränken oder wie die USA und Jordanien auch IS-Stellungen in
Syrien angreifen würden. Auf Bitten der US-Regierung will auch Belgien sechs
F-16 für die Luftangriffe im Irak bereitstellen. Einen Tag nach der Anfrage aus
Washington gab Verteidigungsminister Pieter de Crem der Nachrichtenagentur
Belga zufolge das Einverständnis seiner Regierung bekannt.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte in New York, er sehe
die Angriffe durch das Völkerrecht gedeckt. Es gehe darum, den IS im Irak zu
bekämpfen, gleichzeitig müsse versucht werden, den Dschihadisten die
Rückzugsräume auch nach Syrien zu nehmen, sagte er vor dem Beginn der
UN-Generaldebatte.
Frankreich will nach den Worten von Premierminister Manuel Valls seine
Luftangriffe im Irak so lange fortsetzen, bis die irakische Armee im Kampf
gegen die Dschihadisten wieder die Oberhand gewonnen hat.
Die USA werden beim Vorgehen gegen die Dschihadisten militärisch von
Saudi-Arabien, Jordanien, Bahrain, Katar und den Vereinigten Arabischen
Emiraten unterstützt. Die irakischen Regierungstruppen wiederum kämpfen schon
seit Wochen gegen den IS. Expertenschätzungen zufolge reisten mittlerweile rund
12.000 ausländische Kämpfer aus 74 Ländern nach Syrien und in den Irak, um sich
den Dschihadisten anzuschließen.
Unterdessen drohten mit dem IS verbündete Islamisten auf den Philippinen,
in spätestens zwei Wochen eine von zwei dort festgehaltenen deutschen Geiseln
umzubringen. Die auf die Überwachung islamistischer Internetseiten
spezialisierte Firma Site veröffentlichte ein Bild des deutschen Paares sowie
eine Erklärung, die der Extremistengruppe Abu Sayyaf zugeschrieben wurde. Darin
fordert die Gruppe ein Lösegeld von umgerechnet 4,4 Millionen Euro sowie, dass
Deutschland seine Unterstützung des Kampfes gegen den IS beendet. Sollte dies
nicht binnen 15 Tagen geschehen, werde eine der Geiseln getötet.
Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte dazu, das Ministerium habe Kenntnis von dieser Meldung. Allerdings seien Drohungen "kein geeignetes Mittel, um Einfluss auf unsere Syrien- und Irak-Politik zu nehmen". Diese werde sich deshalb nicht ändern. Der im Auswärtigen Amt eingerichtete Krisenstab befasse sich mit dem Fall; die Bemühungen um die Freilassung der Deutschen würden fortgesetzt.

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