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lunes, 31 de octubre de 2016

WISSEN & UMWELT Harte Zeiten für Brutvögel


Die Bedingungen der heimischen Brutvogelarten haben sich in den letzten 20 Jahren spürbar verschlechtert: Jede dritte brütende Vogelart erlitt Bestandsrückgänge. Der Frühling droht leiser zu werden.
Stieglitz (Foto: picture alliance)
Vogel des Jahres 2016: Der Stieglitz trägt ein auffällig farbenfrohes Gefieder und gehört zu den buntesten aller Singvögel
Wenn der Frühling naht, dann begrüßen ihn unsere heimischen Singvögel zwitschernd und trällernd - als ginge es dabei um einen Wettkampf. Und Vogelkundlern wie Christoph Grüneberg geht dabei das Herz auf. Die Vogelwelt ist Grünebergs Einsatzgebiet. Doch die Vielfalt der Gesangsdarbietungen ist rückläufig, erklärt der Landschaftsökologe vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA).
Christoph Grüneberg (Foto: Johannes Wahl)
Im Einsatz für seltene Vogelarten: Christoph Grüneberg
Wie Tausende Ehrenamtler zieht er jedes Frühjahr hinaus, um Arten im Rahmen des bundesweiten Monitorings zu zählen und den Bestand zu dokumentieren.
Besonders ins Schwärmen geraten Vogelkundler beim Gesang von Stieglitz und Baumpieper. Sie haben ein besonders großes Repertoire an Tönen zu bieten. Doch gerade diese beiden heimischen Arten drohen zu verstummen.
Der Baumpieper nistet in lichten Wäldern oder auf Brachland mit Baumbestand. Doch Wälder werden durch Bewirtschaftung zunehmend dichter, Grünflächen - die zu wenig Ertrag abwerfen - werden aufgeforstet. Wiesen und Magerrasen, auf denen der Baumpieper brütet, werden häufiger und früher gemäht. Somit verliert der Bodenbrüter mit Beginn der Brutzeit die Deckung für sein Nest.
Der Stieglitz, auch Distelfink genannt, ist der Vogel des Jahres 2016. Er ernährt sich von Samen, die er im Gestrüpp an Wegesrändern findet und von Disteln und Löwenzahn, die als Unkräuter entfernt werden. Ackerrandstreifen werden abgemäht, bewirtschaftet oder Flächen werden versiegelt und bebaut. Dadurch ging verliert der Stieglitz seinen Lebensraum. Seit den 1990er Jahren ging der Bestand um die Hälfte zurück.
Baumpieper (Foto: Frank Vassen)
Randerscheinung: Baumpieper liebt Waldränder und Lichtungen
Das ist in dem aktuellen Bericht über "Vögel in Deutschland 2014" nachzulesen, dass das Bundesamt für Naturschutz (BfN), der Dachverband Deutscher Avifaunisten und die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten herausgegeben haben. Besonders Arten der Agrarlandschaft bereiten den Naturschützern Sorge. "Rund die Hälfte der Vogelarten unserer Felder und Wiesen nehmen im Bestand ab", beklagt BfN-Präsidentin Beate Jessel: "Besonders betroffen sind die am Boden brütenden Arten und solche, die sich von Kleininsekten ernähren."
Renaturierung zeigt Wirkung für einzelne Arten
Intensive Bodenbearbeitung und der starke Rückgang der Insekten nennen Ornithologen als Ursachen. Die Schutzbemühungen reichen nicht aus. Für stark gefährdete Großvogelarten, wie Schwarzstorch und Fischadler, zeigen die getroffenen Maßnahmen dagegen Erfolge. Seit Bäche renaturiert und potenzielle Altbäume in strukturreichen Mischwäldern erhalten werden, zeigen sich wieder mehr Schwarzstörche. Fischadler - durch den Einsatz chemischer Düngemittel in den 1960er Jahren in Deutschland nahezu ausgerottet - finden in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern eine Lebensgrundlage. Statt in natürlichen Horsten in hohen exponierten Lagen vermehren sie sich dank künstlicher Nisthilfen, die auf Strommasten angebracht wurden.
Feldlerche (Foto: Hans Glader)
Früher häufig zu sehen: Feldlerche
Andere seltene Arten sind gänzlich vom Aussterben bedroht, konstatiert Christoph Grüneberg: "Der Seggenrohrsänger lebt in Flachmooren. Es gibt zu wenig Paare und kaum Bruterfolge. Kampfläufer und Alpenstrandläufer sind Watvögel, die einst im feuchten Grünland an Küsten anzutreffen waren." Der in Mooren lebende Goldregenpfeifer hatte 2015 keine Brut, weil die Feuchtgebiete entwässert oder durch den Torfabbau stark degradiert wurden. Der extrem seltene Rotkopfwürger stehe sogar kurz vor dem Erlöschen.
Zu geringe Erfolge - trotz Vogelschutzmaßnahmen
Für Jagd und Handel von Wildvögeln gelten seit Inkrafttreten der europäischen Vogelschutzrichtlinie in den 1970er Jahren strenge Regeln. Aber: "Die Intensivierung der Landnutzung, die Entwässerung von Lebensräumen sowie Sport- und Freizeitaktivitäten sind die wichtigsten Beeinträchtigungen und Gefährdungen", betont der DDA-Vorsitzende Bernd Hälterlein.
Der Einsatz von Insektenschutzmitteln führt dazu, dass Vögel nicht mehr brüten, weil sie keine proteinreiche Nahrung finden, die die Brut zum Wachsen braucht. "Neonikotinoide enthalten Wirkstoffe, die nichts mehr von den Insekten übriglassen. Sie wirken nicht selektiv. Deshalb haben Imker immer wieder massive Verluste bei ihren Bienenvölkern zu beklagen."
Pflanzenschutzmittel auf ein Feld mit Winterraps (Foto: picture-alliance)
Schöner Schein: Pflanzenschutzmittel und Monokultur sind Gift für Artenvielfalt
Veränderte Anbaubedingungen, verändertes Klima
Auch hat die Bundesregierung durch die Förderung von Biogasanlagen zum massiven Maisanbau beigetragen. Die Futterpflanze verhindert durch ihren hohen Wuchs, dass Licht zum Boden durchdringt und Unkräuter wachsen - beides lebenswichtig für Bodenbrüter wie die Feldlerche. Die einst in breiter Landschaft vorkommende Art leidet unter dem Anbau von Wintergetreide, weil die Saat im Frühjahr bereits zu hoch steht, um die Brut zu schützen und zu ernähren. Und dass heute die Stoppeln nach der Ernte nicht stehen gelassen werden, die Erde stattdessen umgebrochen wird, führt dazu, dass Samenfresser keine Nahrung mehr finden.
Der Klimawandel trägt dazu bei, dass sich langfristig die eher wärmeliebenden Arten durchsetzen. In Deutschland verbreiten sich die mediterran verbreiteten Bienenfresser mit derzeit über 1000 Brutpaaren.
Bienenfresser (Foto: Glader)
Bienenfresser machen sich in Deutschland breit
Peter Herkenrath, Geschäftsführer der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarte, mahnt eine Intensivierung der Bemühungen zum Schutz von Zugvögeln an. So lägen für die Mehrzahl der Gebiete noch keine Pflege- und Entwicklungspläne vor. Und Zusagen der Politik, die dafür nötigen Finanzmittel bereitzustellen, fehlen.
Immerhin: Zum Tag des Artenschutzes am 3. März haben Vogelschützer aus ganz Deutschland dem NABU (Naturschutzbund Deutschland) "130.000 bunte (Quadrat)-Meter" gemeldet. Sie erklären sich für die Aktion der Organisation bereit, neue Lebensräume für den Stieglitz zu schaffen, zum Beispiel durch das Anlegen und Erhalten von giftfreien Flächen im eigenen Garten. An diesen Stellen sollen Wildkräuter künftig stehen bleiben - als Nahrung für den Vogel. Und der Gartenbesitzer? Hat weniger Arbeit und weniger Blattläuse. Denn die vertilgt der Stieglitz auch.
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