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domingo, 16 de octubre de 2016

Wie ich zu einem (etwas) geduldigeren Vater wurde

Wie ich zu einem (etwas) geduldigeren Vater wurde

Von Theodor Ziemßen
Lego, noch mal puzzeln. Und wann habe ich endlich Zeit für meine Pläne? So dachte ich oft - bis mein Sohn mir etwas Wichtiges beibrachte.
Kinder sind manchmal wahnsinnig süß - und manchmal machen sie uns wahnsinnig. Für SPIEGEL ONLINE legen sich eine Mutter und zwei Väter regelmäßig auf die Elterncouch.

Theodor Ziemßen schreibt auf der Elterncouch im Wechsel mit Juno Vai und Jonas Ratz.

Das neue Bücherregal müsste endlich gebaut werden. Und die Igel-Treppe für den Garten (der Igel schafft die Stufen nicht ohne Hilfe). Außerdem wollte ich endlich diese eine Serie zu Ende sehen und dieses andere Buch lesen. Oder wenigstens die Wäsche waschen. Ach ja, das Fusselsieb im Trockner muss entleert werden.Ich bin ein Mensch, ich habe Pläne.
Menschen haben Pläne, so ist das. So funktioniert die Welt. Schon immer. Hey, könnten wir nicht, statt jeden Winter zu erfrieren, Mammutpelz überziehen? Pläne sind eine prima Sache. Punkt. Das dachte ich zumindest.

"Papaaa."Es ist Samstagmorgen, halb sechs. Benjamin steht am Bett. Er ist freundlich - und hellwach. "Wollen wir Lego spielen?", fragt er, und mir ist sofort klar, er meint das gar nicht als Frage. Ich stelle mich schlafend. Manchmal funktioniert das.
Manchmal.
Manchmal kann ich ihn auch überreden, noch ein bisschen allein zu spielen. Einmal sagte ich, puzzle doch ein wenig. Als er mich dann gefühlte dreißig Sekunden später mit den Worten: "Hier fehlt ein Teil" weckte, wollte ich ihn erst anherrschen. Dann merkte ich, dass er vier (!) Puzzles zusammengesetzt und mich volle eineinhalb Stunden hatte weiterschlafen lassen. Ich liebe Benjamin eh. Sehr sogar. Aber da war ich bis über beide Ohren verknallt.
An diesem Morgen ist leider nichts mit Puzzeln. Benjamin ist freundlich, hellwach - und entschlossen: "Papaaaaaa, wir wollen Leeeeego spielen. Wir bauen ein Raaaaauuumschiff."
Sofa-Judo, Ritterkampf, kurz vor acht Uhr
Seit vor drei Monaten Willem geboren wurde, ist der Deal, dass Therese die Babynachtschicht macht und ich ihr dafür in den Morgenstunden den Rücken freihalte. Das ist mehr als fair. Manchmal aber auch eine echte Prüfung.
Wir bauen also etwa ein Dutzend Raumschiffe, von denen meine Mal um Mal in erbitterten Schlachten in ihre Einzelteile zerlegt werden. Es folgt ein Ein-Kind-Theaterstück, bei dem das wiederholte Verlassen der Bühne, hemmungsloses Abschweifen, ständiges Aus-der-Rolle-Fallen und - überhaupt - die konsequente Verweigerung jedweder Handlung sich zu einem Stück verwirren, an dem Samuel Beckett sicher seine Freude gehabt hätte.
Danach backen wir zusammen Pfannkuchen. Danach malen wir Monster. Dann folgen einige Runden Sofa-Judo, die in einen Ritterkampf münden, der irgendwie zu einem Weitsprung-Wettbewerb wird. Dann ist es …kurz vor acht.
An Morgen wie diesen habe ich das Gefühl, dass wir schon den ganzen Tag miteinander verbracht haben - noch bevor Therese und Willem aufgewacht sind. Dann verbringen wir alle den ganzen Tag zusammen. Den ganzen Tag, das Wochenende und - an diesem Wochenende - den freien Montag.
Es sind die Pläne
Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich liebe es, Zeit mit Therese, Willem und Benjamin zu verbringen. Aber an Wochenenden gibt es gelegentlich diesen Punkt, an dem ich mir wünsche, etwas Richtiges zu tun. Beziehungsweise irgendwas, was ich in diesen Momenten für "etwas Richtiges" halte. Dann werde ich ungeduldig und bin genervt von den anderen. Besonders blöd ist das, weil Benjamin dann manchmal denkt, er hätte irgendwas falsch gemacht und instinktiv meine Nähe sucht. Manchmal reagiere ich dann genervt, obwohl ich es nicht will, und mein Sohn ist ganz verwirrt.
Und weil ich dann doppelt genervt bin - von meiner Familie und davon, dass ich von meiner Familie genervt bin - nerven mich immer mehr Dinge. Ich denke kleinherzige Sachen, wie: Das ist doch keine Spielzeugablage. Oder: Bin ich eigentlich der Einzige, der den Windelmülleimer rausbringt, der die Küche aufräumt, der die Wäsche wäscht?
Ich hasse das.
Woran das liegt, habe ich trotzdem erst vor Kurzem verstanden: Es sind die Pläne.
Dinge, die sich nicht einfach abhaken lassen
Eigentlich hat Therese es zuerst gemerkt. Vor einigen Wochen fragte sie mich, ob mir aufgefallen sei, was der grundlegende Unterschied wäre zwischen den Dingen, die ich mache, und den Dingen, die sie macht. Sie gab auch gleich die Antwort: Während ich immer Sachen zu erledigen hätte, kümmere sie sich um die Familie. Während ich also Punkte auf Listen abhake, würde sie eher die Dinge übernehmen, die sich nicht einfach abhaken lassen. Wie etwa "für das Kind da sein".
Das war hart. Aber sie hatte vollkommen recht: Ich liebe es, Pläne zu schmieden, Listen abzuarbeiten, Dinge zu erledigen. Und genau das macht es mir manchmal schwer, einfach Zeit mit der Familie zu verbringen.
In einem Prospekt für ein entspannendes Wellnesswochenende mit Meditationsseminar würde stehen: Lernen Sie, im Hier und Jetzt zu sein. Und so abgegriffen das klingt, genau darum geht es. Es ist eine schöne Fähigkeit, weil sie von Demut zeugt, davon, dass man sich selbst zurücknehmen kann.
Mein Vorbild? Mein Kind
Von diesem Gedanken aus ist es nicht weit dahin, zu begreifen, dass eine Stunde mit der Familie wertvoller und wichtiger ist, als eine Igel-Treppe oder ein sauberes Fusselsieb.
Und ich habe auch schon ein Vorbild für meine Verwandlung zu einem geduldigeren, demütigeren Vater: Benjamin. Ich habe genau hingeguckt und festgestellt: Darüber hinaus, wie er sich einen weiteren Keks ergaunert oder noch ein wenig mehr Aufmerksamkeit bekommt, macht er keine Pläne. Er spielt. Machen Kinder in seinem Alter wohl so.
Und das können wir von ihnen lernen. Statt uns immer damit zu stressen, Dinge zu optimieren, Sachen zu besorgen, Kram zu erledigen oder darüber nachzudenken, wie und wann wir das am besten tun könnten, könnten wir einfach mal da sein, spielen, Momente genießen. Klingt wie eine Binse? Probieren Sie es mal aus. Ich glaube, ich bin schon ein kleines bisschen besser darin geworden.
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