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martes, 11 de octubre de 2016

Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen Aufarbeiten nach langem Schweigen

Bei den Regensburger Domspatzen wurden Hunderte Schüler Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt. Seit Februar berät ein Aufarbeitungsgremium, wie ihnen geholfen werden kann. Heute werden erste Ergebnisse vorgestellt.
Von Eckhart Querner und Christian Wölfel, BR
Alexander Probst und Peter Schmitt haben lange gekämpft. Sie stehen nur exemplarisch für viele ehemalige Domspatzen, die seit Jahren auf ihr Schicksal aufmerksam machen. Doch lange hat ihnen das Bistum Regensburg offenbar nicht richtig zugehört, wenn sie berichteten: über Missbrauch und Misshandlung bei den Regensburger Domspatzen.
Heute aber werden sie über den Erfolg ihres Kampfes erzählen, an dem viele andere Betroffene beteiligt waren. Schmitt und Probst werden dann stellvertretend vor Journalisten erklären, wie systematischer Missbrauch und Misshandlung beim weltberühmten Knabenchor aufgearbeitet, wie geholfen werden soll. Das ist das Ergebnis eines Aufarbeitungsgremiums, das seit Februar an diesen Fragen arbeitet.
Regensburger Domspatz Alexander Probst
Alexander Probst in den frühen 1970er-Jahren in seiner Zeit bei den Domspatzen.
Regensburger Domspatz Alexander Probst
Alexander Probst heute. Er gehört zu denen, die für die Aufarbeitung des Skandals gekämpft haben.

Bistum und Opfer bitten gemeinsam zur Pressekonferenz

Schon die Einladung zu dem Termin hat Symbolkraft: Weder Bistum noch Betroffene bitten zur Pressekonferenz, die Mail an Journalisten kommt von einem Mediator. Und gemeinsam mit Probst und Schmitt wird auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer Journalisten Rede und Antwort stehen. Das gab es bisher nicht in Regensburg, und auch sonst dürfte es in Deutschland ein seltenes Ereignis sein.
Unter Voderholzers Vorgänger Gerhard Ludwig Müller, heute als Präfekt der römischen Glaubenskongregation an höchster Stelle für die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der Kirche verantwortlich, waren zuvor alle Versuche gescheitert, die unrühmliche Vergangenheit der Domspatzen systematisch aufzuarbeiten - fünf lange Jahre. Betroffene warfen dem Bistum vor, eine Aufklärung zu verhindern. Müller dagegen sah den Knabenchor durch die Vorwürfe in den Dreck gezogen. Und immer wieder tauchte die Frage auf: Was wusste der ehemalige Domkapellmeister Georg Ratzinger, Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI., von den Vorgängen?
Domkapellmeister Georg Ratzinger leitet im Jahr 1989 eine Chorprobe der Regensburger Domspatzen | Bildquelle: picture alliance / dpa
Was wusste der frühere Domkapellmeister Georg Ratzinger - hier bei einer Chorprobe im Jahr 1989 - von den Missbrauchsfällen? "Überhaupt nichts", sagt er.
Anwalt Ulrich Weber | Bildquelle: picture alliance / dpa
Anwalt Ulrich Weber untersucht als Sonderermittler die Misshandlungs- und Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen.

Aufarbeitung seit 2015 vorangetrieben

Erst unter Voderholzer kam im Jahr 2015 Bewegung in die Aufarbeitung. Zuvor hatten Betroffene wie Alexander Probst oder Michael Sieber in mehreren TV-Dokumentationen auf ihr Schicksal aufmerksam gemacht.
Im April 2015 wurde schließlich Anwalt Ulrich Weber vom Weißen Ring als unabhängiger Sonderermittler eingesetzt. Er war es dann auch, der im Januar 2016 von 231 Opfern körperlicher Gewalt sprach, vor allem in der Vorschule Etterzhausen, und von mindestens 50 Betroffenen sexueller Gewalt, vor allem bis Ende der 1970er-Jahre in Regensburg. Das Bistum hatte noch ein knappes Jahr zuvor von 72 Misshandlungsopfern gesprochen.
All das zeigt: Der Weg in Regensburg ist nicht einfach. Trotzdem gibt es Beispiele innerhalb der katholischen Kirche, die Hoffnung machen: Aufarbeitung kann gelingen. Zwar dauerte es etwa auch in Ettal fast ein Jahr, bis Opfer und die Benediktiner einen Weg fanden, die Missbrauchsfälle in dem Klosterinternat aufzuarbeiten. Am Ende bekamen etwa 70 ehemalige Schüler finanzielle Entschädigungen und Hilfen. Für erlittene körperliche Gewalt wurden jeweils 5000 Euro, für sexuellen Missbrauch zwischen 10.000 und 20.000 Euro ausbezahlt. Außerdem untersuchte eine sozialwissenschaftliche Analyse Ursachen und Mechanismen, die zu den Übergriffen geführt oder sie begünstigt hatten.
Vorschule der Domspatzen in Etterzhausen bei Regensburg
Die Vorschule der Domspatzen in Etterzhausen bei Regensburg in den 1970er-Jahren - hier fanden die meisten körperlichen Übergriffe statt.

Endgültige Zahlen Betroffener erst 2017

Heute nun wird präsentiert, wie die Vergangenheit der Regensburger Domspatzen aufgearbeitet werden soll. Schon vor der Bekanntgabe der Ergebnisse sprechen mehrere Indizien dafür, dass das gemeinsame Ringen um Lösungen erfolgreich ist. Da ist zum einen der gemeinsame Pressetermin von Betroffenen und Kirchenvertretern. Dass dazu nach nicht einmal einem Jahr Arbeit eingeladen wird, ist angesichts der Dimension bemerkenswert. Es dürfte die bisher größte Anzahl von Betroffenen bei einer einzigen katholischen Einrichtung in Deutschland sein - auch wenn Sonderermittler Weber offenbar erst Anfang kommenden Jahres abschließende Zahlen vorlegen wird.
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