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lunes, 3 de octubre de 2016

KUNST Der Mensch ist alles und nichts bei Markus Lüpertz und Andreas Mühe


Zwei Künstler wagen ein einzigartiges Experiment: Der "Malerfürst" und der Merkel-Fotograf stellen in Rostock gemeinsam aus. Dabei war die Fotografie für Markus Lüpertz immer ein Feind - bis er Andreas Mühe kennenlernte.
"Miteinander ist immer auch gegeneinander", sagt Andreas Mühe über seine Zusammenarbeit mit Markus Lüpertz. Damit ist das künstlerische Spannungsfeld beschrieben, in dem Mühe und Lüpertz bei ihrer spektakulären Gemeinschaftsausstellung agieren. Unterschiedlicher als er und Lüpertz könne man nicht sein, so Mühe im Gespräch mit der Deutschen Welle.
Mehr Gegensätze als Gemeinsamkeiten
Markus Lüpertz und Andreas Mühe (Foto: picture-alliance/dpa/B. Wüstneck)
Fanden trotz vieler Gegensätze zusammen: Markus Lüpertz und Andreas Mühe
Und wirklich: Auf den ersten Blick prallen zwei Welten aufeinander: Der exzentrische "Malerfürst" und langjährige Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie stößt auf den jungen Fotografen, der nach seinen verblüffenden Merkel-Bildern und der aufsehenerregenden Obersalzberg-Serie zum Shootingstar der Kunstszene avancierte.
Auch die Herkunft trennt zunächst: Ostdeutschland trifft auf Westdeutschland. Andreas Mühe wurde Ende der 1970er Jahre in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) geboren, Lüpertz wuchs in den 1940er Jahren im fränkischen Reichenberg auf.
In der Ausstellung trifft Malerei auf Fotografie - kein leichtes Unterfangen für Lüpertz. Bei der Eröffnung der von ihm und Mühe kuratierten Ausstellung gab er zu, dass er dafür über seinen Schatten springen musste. "Für mich war die Fotografie immer der Feind, weil sie versucht, den Maler abzuschaffen", beschreibt er seine Ängste.
Vom Feind zum Freund
Als er dann vor Jahren von Mühe für eine Zeitung fotografiert wurde, setzte ein Umdenkprozess ein. Mühes Foto hatte ihn auf eigenartige Weise berührt. Bald hing es bei Lüpertz in der Küche. Aus dem Fototermin wuchs Freundschaft und gegenseitige Wertschätzung: "In den Fotografien von Andreas Mühe entdeckte ich Malerei. Eine eigene Art, die Fotografie zu monumentalisieren", beschreibt Lüpertz seinen Erkenntnisprozess, der schließlich den Plan für eine gemeinsame Ausstellung reifen ließ.
Andreas Mühe vor seinen Landschaftsbildern (Foto: DW/G. Schließ)
Andreas Mühe vor seinen Landschaftsbildern
Was Lüpertz in Mühes Fotografien sieht, das erschließt sich dem Ausstellungsbesucher gleich im ersten Raum: Einem weißen Kubus, in dem vier Bilder aus Mühes neuer Landschaftsserie hängen - getaucht in milchig-hellsanftes LichtSie sind von einer unwirklichen, kühlen Perfektion, als wären sie nicht von dieser Welt. Uferlandschaften im Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, aufgenommen auf der Insel Rügen und dem Kurort Heiligendamm an der Ostseeküste.
Der Mann als Marionette
Die Fotografien sind fein inszeniert und exakt ausgeleuchtet. Immer mittendrin: Ein nackter Mann, mal groß, mal verschwindend klein. Er blickt hinaus aufs weite Meer und kehrt dem Beobachter seinen muskulösen Rücken zu. Es ist wohl Mühe selber. Er lehnt an einem Baum oder steht breitbeinig in Machopose und macht sich an seinem Geschlecht zu schaffen. Der Mann ist hier nicht wirklich Mensch, sondern eine Marionette, die Mühe an feinen Fäden führt. Es gehe ihm darum, mit dieser Figur den Raum zwischen Mensch und Natur auszumessen, sagt er. Das knüpft an die Obersalzberg-Serie an, in der er unterwürfig-stilisierte Männerfiguren in kontaminierter Natur in Szene setzt. Eine Auseinandersetzung Mühes mit der Nazizeit.  
Doch bevor es in die obere Etage geht, in der die Serie zu sehen ist, zieht einen die raumfüllende Gipsskulptur von Markus Lüpertz in ihren Bann. Lüpertz hat sie "Das Malergenie" genannt und sich dabei auch eine Prise Selbstironie gegönnt. Denn diesem Malergenie fehlt der rechte Arm und überhaupt sieht er etwas zerzaust aus.
Lüpertz: "Museen sind reine Geisterbahnen"
Mühe und Lüpertz haben ihre Ausstellung nach der Zeit des Absolutismus vor der Französischen Revolution genannt: "Ancien Régime". Ein Titel, der Lüpertz' konservative, anti-avantgardistische Kunsthaltung reflektiert. Die Revolution in der Kunst habe zu einem "gigantischen Unsinn" geführt, sagt Lüpertz. Die Museen seien zu "reinen Geisterbahnen" verkommen. "Wir fangen wieder mit einer vorrevolutionären Zeit an", erklärt er und meint sein bewusstes Beharren auf der Gegenständlichkeit in der Malerei, das ihn in krassen Kontrast zu vielen Zeitgenossen brachte.
Markus Lüpertz bei der Ausstellungseröffnung in der Kunsthalle Rostock (Foto: DW/G. Schließ)
Markus Lüpertz bei der Ausstellungseröffnung in der Kunsthalle Rostock
In Rostock zeugen auch seine jüngsten Werke, die 94 Zeichnungen der Apoll-Serie, von dieser Haltung. Es sind virtuos-filigrane Arbeiten, inspiriert von einer im 17. Jahrhundert entstanden Holzfigur des Apoll aus dem Berliner Bode-Museum. Wer annimmt, dass sich Lüpertz in seinen Apoll-Zeichnungen zu einer Feier der Schönheit hinreißen ließ, der wird enttäuscht. Lüpertz hat aus Apoll, dem Gott des Lichts und der Kunst, einen leidenden alten Mann gemacht. Mal schmerzverzerrt, blutbesudelt oder müde taumelnd, dann wieder altersmilde mit Blumenkranz im Haar und elegant tänzelnd. Trotz aller altersbedingten Erschöpfung hat Lüpertz Apoll einen traumhaften Körper.
In der Huldigung körperlicher Perfektion mag sich Lüpertz denn auch mit Mühe treffen. Doch während der Körper bei Mühe das Sinnbild typisierter Perfektion ist, ist er bei Lüpertz Kennzeichen des Individuellen. "Der Mensch ist nichts", treibt es Mühe rhetorisch auf die Spitze. Bei Lüpertz ist der Mensch alles. Und das ist es auch, wo sich seine obsessiven Apoll-Auseinandersetzungen an den gezirkelten Arrangements reiben, mit denen Mühe den Diktaturwahnsinn des Obersalzbergs bricht.
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