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domingo, 23 de octubre de 2016

Friedenspreisträgerin Carolin Emcke "Freiheit ist etwas, das man tut"


Die Publizistin Carolin Emcke kämpft mit Worten gegen Fanatismus. Bei der Verleihung des Friedenspreises forderte sie die Bürger auf, sich einzumischen.
Carolin Emcke bei der Preisverleihung
AFP
Carolin Emcke bei der Preisverleihung
Wir dürfen uns nicht wehrlos und sprachlos machen lassen", sagte die neue Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, Carolin Emcke am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche, wo sie den Preis entgegennahm. Emcke rief zu Widerstand der Zivilgesellschaft gegen Hass und Gewalt auf. Allein sei dies nicht möglich, räumte sie ein. "Dazu braucht es alle in der Zivilgesellschaft. Demokratische Geschichte wird von allen gemacht."
Die 49-jährige Berlinerin erhielt den Friedenspreis, eine der wichtigsten gesellschaftlichen Auszeichnungen der Bundesrepublik, für ihren Beitrag zum gesellschaftlichen Dialog. Der Preis, der seit 1950 vergeben wird, ist mit 25.000 Euro dotiert. Unter den rund 1000 Gästen der Feier war auch Bundespräsident Joachim Gauck. Die Laudatio hielt die Philosophin Seyla Benhabib.
"Freiheit ist nichts, das man besitzt, sondern etwas, das man tut", stellte Emcke fest. Daher dürften Antworten auf das derzeitige Klima des Fanatismus und der Gewalt in Europa nicht einfach an die Politik delegiert werden. "Für all die alltäglichen Formen der Missachtung und der Demütigung (...), dafür sind wir alle zuständig", sagte sie.
Emcke appellierte an jeden, sich in die Welt einzuschalten. Dazu bedürfe es auch der Vorbilder, auf Ämtern und in Behörden ebenso wie im Theater und in Filmen.
"Menschenrechte sind voraussetzungslos"

"Menschenrechte sind voraussetzungslos. Sie können und müssen nicht verdient werden. Es gibt keine Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit jemand als Mensch anerkannt und geschützt wird", betonte Emcke. "Zuneigung oder Abneigung, Zustimmung oder Abscheu zu individuellen Lebensentwürfen, sozialen Praktiken oder religiösen Überzeugungen dürfen keine Rolle spielen", verlangte sie. "Das ist der Kern einer liberalen, offenen, säkularen Gesellschaft."Den "Populisten und Fanatikern", die ein "homogenes Volk" oder eine "wahre Religion" forderten, setzt Emcke das "Vieldeutige" und das "individuell Einzigartige" gegenüber. "Verschiedenheit ist kein hinreichender Grund für Ausgrenzung", sagte sie, "Ähnlichkeit keine notwendige Voraussetzung für Grundrechte." Die "soziale Pathologie" unserer Zeit sei es, die Menschen "nach Begriffen und Hautfarben, nach Herkunft und Glauben, nach Sexualität und Körperlichkeiten" zu sortieren. Damit werde dann Ausgrenzung und Gewalt gerechtfertigt.
Carolin Emcke im Interview
Nüchterne Chronistin einer "Welt in Aufruhr"
In ihrer Laudatio hob Benhabib Emckes Erzählkunst in den Mittelpunkt. In einer einmaligen Mischung aus Reportage, philosophischer Reflektion und literarischer Komposition bringe sie die Mauern des Schweigens und Leids zu Fall.
Börsenvereins-Vorsteher Heinrich Riethmüller würdigte Emcke als nüchterne Chronistin einer "Welt in Aufruhr". "Sie schreibt das auf, was andere ihr erzählen und was sie selbst dabei empfindet, nämlich oft Angst, Wut und Hilflosigkeit." Emcke mache klar, "dass es einen Zusammenhang zwischen Gewalt und Sprache und Gewalt und Sprachlosigkeit gibt".
Menschenbild der Vielfalt
Emcke gehört zu den profiliertesten Journalistinnen und Intellektuellen der Republik. Einen Namen hat sie sich vor allem mit ihren Berichten aus Kriegs- und Krisengebieten gemacht. Auch in ihrem neuen Buch "Gegen den Hass" schreibt sie gegen den religiösen und nationalistischen Fanatismus an und setzt ihm ein Menschenbild der Vielfalt entgegen.
Zu den bisherigen Friedenspreisträgern zählen Intellektuelle und Autoren wie Amos Oz, Václav Havel, Jürgen Habermas, Susan Sontag, David Grossman, Liao Yiwu und Swetlana Alexijewitsch. Im vergangenen Jahr hatte der Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani die Auszeichnung erhalten.
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