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jueves, 6 de octubre de 2016

Bittere Bilanz: 10 Jahre nach dem Mord an Anna Politkowskaja


Am 7. Oktober 2006 wurde die renommierte russische Journalistin und Menschenrechtlerin Anna Politkowskaja erschossen. Die Täter sind inzwischen verurteilt, die Auftraggeber bis heute unbekannt. Ein Rückblick.
Porträt Anna Politkowskaja 2005 (picture-alliance/dpa)
Es geschah an einem Samstag, kurz nach 16.00 Uhr. Anna Politkowskaja kam gerade mit dem Auto nach Hause und brachte ein paar Einkaufstüten in ihre Wohnung in der Stadtmitte von Moskau. Die 48-jährige Journalistin wurde im Aufzug aus nächster Nähe erschossen. Eine Kugel traf ihren Kopf. Es war der 7. Oktober 2006. 
Dieser Mord erschütterte Russland und schlug auch im Ausland hohe Wellen. Als der russische Präsident Wladimir Putin wenige Tage danach Dresden besuchte, riefen ihm einige Demonstranten "Mörder!" hinterher. Die Tatsache, dass Politkowskaja ausgerechnet an Putins Geburtstag ermordet wurde, gab Anlass für Spekulationen. Manche glaubten, die Täter wollten dem Präsidenten ein makabres "Geschenk" machen. Ein Zusammenhang wurde nie festgestellt.  
Kriegs-Chronistin und Putin-Kritikerin
Anna Politkowskaja wurde 1958 in New York als Tochter eines sowjetischen Diplomatenehepaars aus der Ukraine geboren. Sie studierte Journalistik in Moskau, schrieb für diverse Printmedien und wurde Ende der 1990er Jahre als Reporterin der renommierten Zeitung "Nowaja Gaseta" landesweit bekannt. Ihr Lebensthema war der zweite Krieg in der abtrünnigen russischen Teilrepublik Tschetschenien.
Politkowskaja reiste oft in den Nordkaukasus und schrieb ihre preisgekrönten Reportagen: unter anderem über Mord, Folter und Entführungen auf beiden Seiten. In ihren Berichten belastete sie auch den heutigen tschetschenischen Anführer Ramsan Kadyrow. Politkowskaja schrieb Sachbücher wie "In Putins Russland", in denen die Journalistin den Kremlchef und seine autoritäre Herrschaft anprangerte.
Auch als Menschenrechtlerin engagierte sich Politkowskaja: Sie half tschetschenischen Familien ebenso wie den Müttern getöteter oder vermisster russischer Soldaten. Dieses Engagement brachte ihr zahlreiche Auszeichnungen.
Lange Suche nach den Mördern
Die Suche nach dem Mörder und seinen Komplizen gestaltete sich schwierig. Obwohl die ersten Verdächtigen relativ schnell ermittelt werden konnten, brauchte es mehrere Gerichtsverfahren und acht Jahre, bis sie verurteilt wurden.
Schnell wurde klar, dass die Spuren der Täter nach Tschetschenien führten. Der erste Prozess begann 2008 und endete nach wenigen Monaten mit einem Freispruch - aus Mangel an Beweisen. Damals gab es nur drei Tatverdächtige: zwei Brüder, Ibragim und Dschabrail Machmudow, sowie den ehemaligen Polizisten Sergej Hadschikurbanow. Das Oberste Gericht kassierte 2009 den Freispruch und das Verfahren wurde neu aufgerollt.
Anna Politkowskaja Prozess (picture-alliance/dpa)
Die fünf Angeklagten beim bisher letzten Prozess um den Mord an Anna Politkowskaja im Jahr 2014
Nach weiteren Ermittlungen weitete sich der Kreis der Verdächtigten aus. 2011 wurde Rustam, der dritte Machmudow-Bruder gefasst. In einem separaten Prozess wurde 2012 Dmitrij Pawljutschenkow zu elf Jahren Haft verurteilt. Der ehemalige Moskauer Polizeioberst war Kronzeuge im Fall Politkowskaja. Er gestand, die Journalistin beschattet und die Tatwaffe besorgt zu haben.
Der wichtigste und bisher letzte Prozess begann im Januar und endete im Mai 2014 mit fünf Schuldsprüchen. Der eigentliche Mörder Rustam Machmudow wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Seine Brüder Dschabrail und Ibragim bekamen 14 beziehungsweise 12 Jahre Strafkolonie. Auch Sergej Hadschikurbanow bekam 20 Jahre Haft. Als Organisator des Mordes musste der tschetschenische Geschäftsmann und Kriminelle Lom-Ali Gajtukajew lebenslänglich hinter Gitter. Er ist Onkel der Machmudow-Brüder. Alle fünf bestreiten die Tat.
Immer wieder tschetschenische Spuren
Die "Nowaja Gaseta" begrüßte damals das Urteil, forderte aber weitere Ermittlungen über die Auftraggeber. Ähnlich äußerten sich die erwachsenen Kinder der getöteten Journalistin: Ilja Politkowskij und Vera Politkowskaja. Die Hinterbliebenen halten den Mord für nicht aufgeklärt. Doch weitere Ermittlungen scheinen zu stocken, über Fortschritte ist nichts bekannt.
Anna Politkowskaja Prozess Kinder Vera und Ilia im Gerichtssaal 03.06.2013 (Reuters)
Anna Politkowskajas Kinder Vera und Ilja fordern weitere Ermittlungen
Der Fall Politkowskaja war nicht der erste und nicht der letzte brisante politische Mord in Russland. 2009 wurde in Tschetschenien die Menschenrechtlerin und Journalistin Natalja Estemirowa entführt und ermordet. Estemirowa war 2007 die erste Trägerin des Anna-Politkowskaja-Preises, einer Auszeichnung, die von einer internationalen Nichtregierungsorganisation ins Leben gerufen wurde.
Im gleichen Jahr wurden auf offener Straße in Moskau die Journalistin Anastassia Baburowa und der Menschenrechtler Stanislaw Markelow getötet. Zuletzt wurde Ende Februar 2015 der Oppositionspolitiker Boris Nemzow im Herzen von Moskau erschossen. Ähnlich wie im Fall Politkowskaja führen die Spuren seiner mutmaßlichen Mörder nach Tschetschenien. Der erste Prozess im Nemzow-Mord begann am 3. Oktober, wenige Tage vor dem 10. Jahrestag der Ermordung von Anna Politkowskaja.
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