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miércoles, 7 de septiembre de 2016

Die Paralympics sind eröffnet!

Mit viel brasilianischer Folklore und Begeisterung auf den Rängen beginnen die XV. Paralympics in Rio de Janeiro. Eine Szene zu Beginn der Show sorgt jedoch unfreiwillig für Irritation.
Entzündung Paralympisches Feuer (Foto: Reuters)
Clodoaldo Silva, brasilianischer Rekord-Paralympicssieger, entzündete um 21:51 Uhr (Ortszeit) das paralympische Feuer
Es ist eine Szene, die unfreiwillig Symbolkraft bekommt: Zu Beginn der Eröffnungsfeier der XV. Paralympics von Rio de Janeiro illumineren Scheinwerfer einen Strand auf den Boden des Maracana-Stadions. Darauf geht es so bunt zu wie an der Copacabana, die hier natürlich dargestellt werden soll: Badegäste unter Sonnenschirmen, Eisverkäufer, Schwimmer, Tänzer, Surfer, Beachfußballer - aber Behinderte sucht der Zuschauer des Spektakels vergeblich. Nur unversehrte, springende oder laufende Körper. Ein durchaus realitätsgetreues Bild, denn auch auf der echten Copacabana sind Menschen mit Behinderung selten zu sehen.
Das Projekt "Strand für alle" sorgt seit kurzem dafür, dass behinderte Menschen dank Helfern Baden gehen können und die Vorzüge ihrer Stadt ebenso genießen können wie nichtbehinderte Menschen. Doch solche Initiativen sind in Brasilien noch die Ausnahme. Die Spiele sollen Rio und das Land nun behindertenfreundlicher machen. Ob nun gewollt oder ungewollt: Die Copacabana-Szene sorgte nur kurz für Irritation.
Feuerwerk am Maracana-Stadion (Foto: Reuters)
Das Maracana-Stadion von oben: Spektakuläre Eröffnung mit Mega-Feuerwerk
Der Rest der Eröffnungsfeier machte Hoffnung: Das Maracana war annähernd ähnlich gut besucht wie zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele vor gut einem Monat. Offiziell laut Veranstalter ausverkauft, war die Arena tatsächlich aber nicht ganz komplett besetzt. Der Stimmung auf den Rängen tat das keinen Abbruch: Die überwiegend brasilianischen Zuschauer feierten die Darsteller der Show, ihre eigene Folklore und vor allem die 4342 Athleten, die für insgesamt 154 Länder einmarschierten und rollten.
Die Paralympics standen kurz vor dem Aus
Dabei standen die Vorzeichen lange gar nicht auf Party-Stimmung. Die Paralympischen Spiele drohten zu scheitern - am fehlenden Geld. Die für das Großprojekt Rio 2016 bereitgestellten Mittel waren bereits nach den Olympischen Spielen aufgebraucht. Brasilien und die Stadt Rio mussten kurzfristig rund 70 Millionen Euro aufbringen, um die Veranstaltung zu retten. Zusätzlich wurden Entscheidungen aus Kostengründen verlegt und die Zahl der Helfer reduziert. Beinahe wäre die Kopplung der Paralympics an die Olympischen Spiele, die eigentlich Synergien bei Infrastrukturen und Sportstätten bringen soll, den Sportlern mit Behinderung zum Verhängnis geworden.
Tänzer bei Paralympics-Eröffnung (Foto: Getty Images)
Dürfen natürlich in keiner Show fehlen: jede Menge Tänzer
Der Chef des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), Sir Philip Craven, war ein Star des Abends. Früher selbst Teilnehmer kämpfte er nun im Hintergrund lange um die Durchführung des Events, um das er sich zuletzt große Sorgen machte: "Ich habe während Olympia über 22 Tage hinweg nur drei Stunden pro Nacht geschlafen. Einmal sogar 90 Stunden lang überhaupt nicht", so Craven kurz vor der Eröffnung. Und er wurde mit Blick auf die Gastgeber deutlich: "Meine Kritik an Rio ist, dass wir erst sechs bis sieben Wochen vorher wussten, dass es ein solches Problem gibt und wir plötzlich in einem schwarzen Loch gesessen haben", sagte Craven. "Wir haben es geschafft. Aber ich hoffe, es passiert nie wieder."
Deutsches Team bei Paralympics (Foto: Reuters)
"Eine sehr emotionale Sache" war der Abend für Weitsprung-Weltrekordler Markus Rehm als deutschem Fahnenträger
Russen veranstalten ihre eigenen Spiele
Dass mit Thomas Bach ein IOC-Präsident seine Teilnahme an der Eröffnungsfeier kurzfristig absagte (was bisher erst einmal in der paralympischen Geschichte vorkam), bezeichnete Craven als "eine unglückliche Situation", zeigte aber Verständnis für Bach, "weil ein enger Freund von ihm, der frühere Bundespräsident Walter Scheel, an diesem Tag beerdigt" werde. "Von anderen Gründen weiß ich nichts", so Craven, der damit andeutete, dass ein mögliches Zerwürfnis zwischen beiden nach dem unterschiedlichen Umgang mit den russischen Sportlern keine Rolle gespielt habe.
Russland ist bei Paralympics nicht startberechtigt. Eine Entscheidung im Staatsdoping-Skandal um vertuschte Proben und öffentlich gedeckte Leistungssteigerung, die dem IPC in vielen Teilen der Welt großen Respekt einbrachte - und dem IOC-Präsidenten unangenehme Fragen. Die russische Reaktion auf den IPC-Beschluss ist kämpferisch: Aus Protest gegen ihren Ausschluss von den Paralympics in Rio eröffneten russische Sportler eine mehrtägige Wettkampfserie in Moskau, wo es ebenfalls eine Eröffnungszeremonie gab.
Eröffnungszeremonie in Moskau (Foto: picture alliance)
Eröffnung der "Gegenveranstaltung": Russische Behindertensportler messen sich in Moskau
Bis Freitag wollten mehr als 250 Athleten ihre Kräfte in 18 Disziplinen messen, sagte Wladimir Lukin, Präsident des nationalen paralympischen Komitees, der Agentur Interfax zufolge. Russland fühle sich weiter als Teil der olympischen Familie. Der umstrittene russische Sportminister Witali Mutko kritisierte die Sperre erneut. "Alle sind natürlich sauer. Ich hoffe, die Sperre wird bald aufgehoben."
Demonstrativ wurde auch in Rio eine russische Flagge ins Stadion getragen - und zwar von Mitgliedern der weißrussischen Delegation. Dies sorgte für Aufsehen und Pfiffe. Möglicherweise droht Weißrussland sogar eine Strafe.
1,66 Millionen Tickets sind bereits verkauft
Die Paralympics in Rio gehen bis zum 18. September. 528 Entscheidungen in 23 Sportarten stehen auf dem Programm - und die jüngsten Ticketverkauf-Zahlen geben Anlass zu Hoffnung, dass die befürchtete Leere auf den Rängen nicht Realität wird: Inzwischen sind 1,66 Millionen Tickets verkauft, nachdem es vor zwei Wochen nur 300.000 gewesen waren. Dies hängt auch mit deutlich reduzierten Preisen zusammen: Manche Tickets sind für unter drei Euro zu haben.
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