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lunes, 1 de agosto de 2016

Selbst Trump-Anhängern geht das zu weit. Attacke gegen Eltern eines toten US-Soldaten

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump
DPA
US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump
Donald Trump beleidigt die Eltern eines gefallenen US-Soldaten - und erntet dafür von allen Seiten Kritik. Der Präsidentschaftskandidat hat einen Ehrenkodex verletzt.
Mit dieser Sicht auf die Dinge steht er allerdings momentan ziemlich alleine da.
Was mit einem kurzen Auftritt der Soldaten-Eltern Khizr und Ghazala Khan beim Demokraten-Parteitag begann, hat sich mittlerweile zur kleinen Staatsaffäre in Washington entwickelt. Und zu einem echten Problem in Donald Trumps Wahlkampf.

"Wir sollten für Familie Khan beten"

Was war passiert? Am vergangenen Donnerstagabend hatte Khizr Khan, Vater eines gefallenen muslimischen US-Soldaten, auf dem Parteitag der Demokraten in Philadelphia eine bewegende Rede gehalten. Vor Millionen Zuschauern erzählte er die Geschichte seines Sohnes Humayun, der 2004 im Irak mit 27 Jahren bei einem Auto bombenanschlag ums Leben kam. "Mein Sohn opferte sich für sein Land", sagte Khan mit bebender Stimme - um sich im nächsten Satz Trump und dessen Kritik an Muslimen vorzunehmen: "Sie haben nichts und niemanden geopfert!"
Trump hätte die Rede so stehen lassen können. Aber dann wäre er nicht Donald Trump. Er hat seine ganz eigene Art, auf Kritik zu reagieren. Khan scheine zwar ein guter Typ zu sein, sagte er in einem Fernsehinterview. "Aber seine Frau hatte nichts zu sagen - wahrscheinlich durfte sie nichts sagen", unterstellte er.
Mit seinen Sätzen über die trauernde Ghazala Khan hat Trump einen amerikanischen Ehrenkodex verletzt. Das ungeschriebene Gesetz nämlich, dass gefallenen Soldaten und deren Familien besonderer Respekt entgegen gebracht wird. "Hauptmann Khan ist ein Held", maßregelte Ohios republika nischer Gouverneur John Kasich Trump am Wochenende. "Wir sollten für Familie Khan beten".
Auch nach ihrem Auftritt auf Hillary Clintons Nominierungsparteitaggeben die Khans keinesfalls Ruhe. Sie wollen sich weiter öffentlich gegen Trump äußern. Und auch die Mutter des Soldaten, Ghazala, meldete sich mit einem Gastbeitrag in der "Washington Post" zu Wort. Trump sei ignorant, schrieb sie. Sie könne noch immer kein Foto des Sohnes ansehen, ohne zu weinen.
Für Trump ist die Affäre Khan äußerst unangenehm. In den vergangenen Wochen hatte er sich größte Mühe gegeben, als Mann des Militärs bei den Wählern zu punkten. Unter ihm würden die Belange der Soldaten wieder ernst genommen, teilte er in nahezu jeder Rede und in jedem Interview mit. Auch um die Veteranen werde er sich kümmern. Mit seinen Äußerungen über die Familie Khan dürfte Trump wieder eingerissen haben, was er zuvor mühsam aufbauen wollte.
Es ist nicht das erste Mal, dass Trump mit zweifelhaften Aussagen über Soldaten zahlreiche Amerikaner gegen sich aufbringt. Im Vorwahlkampf hatte er den Republikaner John McCain dafür kritisiert, dass dieser vor Jahrzehnten im Kriegseinsatz in Vietnam in Gefangenschaft geraten sei. Er selbst bevorzuge Soldaten, die sich nicht gefangen nehmen ließen, teilte Trump seinerzeit mit. Selbst Republikaner, die es damals gut mit ihm meinten, waren nach den Sätzen außer sich.

Clinton hält sich zurück

Die Geschichte scheint sich mit dem Fall Khan zu wiederholen. Kaum hatte Trump Familie Khan mit seinen Äußerungen verunglimpft, wandten sich zahlreiche Republikaner gegen ihn. "Es gibt Dinge, die galten in der US-Politik bisher als Tabu", sagte der republikanische Senator Lindsey Graham, "die Eltern von gefallenen Soldaten zu kritisieren gehört dazu". Trumps Konkurrent Jeb Bush nannte ihn "unglaublich respektlos". Und Republikaner-Parteichef Paul Ryan forderte wenig missverständlich, die Schicksale von Familien wie den Khans stets zu würdigen. "Basta", fügte er an.
Unfreiwillig hat Trump seiner Widersacherin Hillary Clinton einen kaum erwarteten Erfolg im Wahlkampf beschert. Zwar hielt sich Clinton selbst am Wochenende mit Kommentaren weitgehend zurück - wahrscheinlich aus Respekt vor der Familie Khan.
Ihre Kampagnenhelfer können sich dennoch auf die Schulter klopfen: Selten hat eine wenige Minuten dauernde Rede auf einem Parteitag eine derartige Wirkung erzielt.
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