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martes, 23 de agosto de 2016

Schon wieder doppelte Staatsbürgerschaft

Angela Merkel erwartet von den Türkeistämmigen "ein hohes Maß an Loyalität". Die türkischen Verbände reagieren genervt. Und eine Frau hat beruhigende Worte für die Kanzlerin.

Erdogan-Schal auf einer Demonstration gegen den Putsch in der Türkei (Bild: dpa)
Fanschal oder Loyalitätsbekundung - fotografiert auf einer Demonstration gegen den Putsch in der Türkei.
Nun also auch die Bundeskanzlerin. Seit Wochen warnen Politiker der konservativen Parteien, dass Deutschland sich der Loyalität seiner türkeistämmigen Bürger nicht mehr sicher sein könne. Die Innenminister einiger Bundesländer brachten sogar ins Spiel, die doppelte Staatsbürgerschaft, die einigen jungen Migranten erlaubt wird, wieder abzuschaffen. In einem Interview sagte sie: "Von den Türkischstämmigen, die schon lange in Deutschland leben, erwarten wir, dass sie ein hohes Maß an Loyalität zu unserem Land entwickeln."
"Bewirkt das Gegenteil"
"Absurd und populistisch" findet das Ayse Demir. "Woran soll denn bitte die Loyalität gemessen werden? Daran, dass sich jemand gegen Erdogan positioniert?" Demir ist Vorstandssprecherin des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg, einer von mehreren Organisationen der Türkeistämmigen in Deutschland. Der Bund bezieht keine Stellung zur türkischen Politik, unter den türkischen Organisationen gilt er als eher liberal. Besonders in Rage bringt sie die Debatte um die doppelte Staatsbürgerschaft. "Was passiert denn in den Köpfen junger Menschen, wenn plötzlich wieder über die doppelte Staatsbürgerschaft diskutiert wird?", fragt sie. Ihre Stimme wird jetzt ein wenig lauter. "Damit bewirkt man das Gegenteil von dem, was man erreichen möchte."
 Angela Merkel während ihrer Sommerpressekonferen (Bild: dpa)
Angela Merkel hat darauf hingewiesen, dass sie von Türkeistämmigen Loyalität erwartet.
Begonnen hat die Debatte nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei Mitte Juli. Insbesondere eine Demonstration von zehntausenden Anhängern des türkischen Präsidenten Ende Juli in Köln wurde in der politischen Diskussion kritisiert. Sie wurde organisiert von der Union Europäisch-Türkischer Demokraten, einem Verein, dem die Bundesregierung vorwirft, "nach hiesigem Verständnis Lobbyarbeit" für die türkische Regierungspartei AKP zu betreiben. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Fatih Zingal, nennt die Debatte um die doppelte Staatsbürgerschaft eine "Ohrfeige ins Gesicht aller Türkeistämmigen".
Die meisten Türkeistämmigen seien bestens integriert, betont Zingal. Die Türkeistämmigen hätten einen "immensen Beitrag" zum Aufbau Deutschlands geleistet. "Da fragt man sich, was wollen sie denn noch?" Dass sein Verein ein Sprachrohr der Erdogan-Partei sei, bestreitet Zingal. "Wir sind eine Interessenvertretung für alle in Europa lebenden Türken", betont er. Und als solche stehe man auch mit der Regierung in Kontakt.
"Merkel soll sich keine Sorgen machen"
Tülay und Aladdin Satilmis auf dem Wochenmarkt am Berliner Maybachufer (Bild:DW)
Keine Sorge, Angela Merkel - Tülay Satilmis (Mitte) mit Familie auf dem Maybachufermarkt
Und diejenigen, um die es geht? Ganz und gar unverständlich findet Tülay Satilmis die Aufregung. "Angela Merkel soll sich da mal keine Sorgen machen, denn die Leute, die hier leben, wollen auch nur ihren Frieden", sagt Satilmis, als sie von der Forderung der Bundeskanzlerin hört. Sie ist mit ihrer Familie aus Karlsruhe nach Berlin gekommen und schlendert über den Maybachufer-Markt in Berlin-Neukölln. "Klein-Istanbul" nennt sie die Szenerie. Die dominierende Sprache an den Ständen der Kleinwaren-, Stoff- und Gemüsehändler ist Türkisch. Es ist hektisch, eng und laut, aber von Streit keine Spur. "Da gibt es kein Problem", pflichtet ihr Mann Aladdin bei.
Die Kopftuchverkäuferin am Stand daneben winkt ebenfalls ab. "Ich bin fünf Tage die Woche an meinem Stand, und ich habe noch nie gesehen, dass es wegen Erdogan und dem Putsch mehr als einen Streit mit Worten gegeben hat." Da werde ein Problem aufgebauscht, das es gar nicht gebe, ist sie überzeugt. Marktkunde Mesut Hac zieht die Augenbrauen hoch. "Das nervt uns, diese ständigen Forderungen, ich glaube, die Leute sind doch alle schon loyal genug!"
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