Sigue el blog por EMAIL. Seguir por EMAIL

miércoles, 3 de agosto de 2016

Ninorta, die syrische Weinkönigin. Nina.


Dreieinhalb Jahre nach ihrer Flucht aus dem Bürgerkriegsland wird eine Syrerin zur Repräsentantin des Trier-Olewiger Weines gekrönt. Ihr Amt will sie nutzen - als Botschafterin für Integration. Aus Trier Nina Niebergall.
Ninorta Banho als neue Weinkönigin von Trier (Foto: dpa)
Gekrönt von der Vorgängerin: Ninorta Banho
Studenten, Lokalpolitiker und Weinköniginnen von Rhein und Mosel versammeln sich auf den Trierer Klosterwiesen. Sie alle sind gekommen, um die Krönung Ninortas I mitzuerleben. Nur der Ehrengast, die junge Syrerin, die am Mittwochabend ihr Amt antreten soll, fehlt noch. Ein aufgeregt hin und her laufender Peter Terges vom Trierer Winzerverband erklärt, sie arbeite noch. Die 26-jährige Syrerin Ninorta Banho hat gerade erst eine Ausbildung bei der Bundesagentur für Arbeit begonnen.
Wie jedes Jahr wird in der 115.000-Einwohner-Stadt eine unverheiratete junge Frau zur Weinkönigin gekrönt. Die Krönungszeremonie ist Teil eines Volksfests, das nicht nur in Trier, sondern in fast allen Weinbaugebieten im Südwesten Deutschlands Tradition hat. Nach ihrer Ernennung wartet auf die Regentinnen meist ein terminreiches Jahr, bei dem sie den Wein ihrer Regionen auf zahlreichen Veranstaltungen repräsentieren.
Kleinbürgertum und Medienrummel
Zwischen Lichterketten und Fahnenmasten sitzen die Besucher an Bierbänken und trinken an der Mosel gekelterten Weißwein. Jeder kennt hier jeden. Auf der Bühne sorgen ein Kabarettist und eine Blaskapelle für die nötige Stimmung. Die kleinbürgerlich anmutende Szenerie wird nur von der Journalistenschar gestört, die ungeduldig auf die Ankunft der jungen Syrerin wartet. Es werde aber nicht mehr lange dauern, beruhigt Winzer Terges die Besucher des Weinfestes.
Dann endlich betritt die hochgewachsene Frau mit den schwarzen langen Haaren in einem schnörkellosen orangefarbenen Kleid das Weinfest. Schüchtern lächelt sie in die zahlreichen Kameras. An die vielen Journalisten muss sich Ninorta noch gewöhnen. Sie fühle sich sehr geehrt, dass sie das Amt der Trierer Weinkönigin übernehmen dürfe, sagt die 26-Jährige. "Trier ist wie meine Heimat."
Ninorta Banho (Foto: dpa)
Ninorta ist mittlerweile eine Wein-Expertin
Ihre frühere Heimat liegt viele Kilometer entfernt in Syrien. Durch den Bürgerkrieg wurde das Leben in Kamischli, einer Stadt nahe der türkischen Grenze, immer gefährlicher - vor allem für eine aramäische Christin. Deshalb floh Ninorta vor dreieinhalb Jahren zusammen mit ihrer Schwester Fadia nach Deutschland.
"Ich wollte ein Zeichen setzen"
In Trier angekommen, verbesserte die gelernte Juristin schnell ihre Deutschkenntnisse - bis diese so gut waren, dass sie im vergangenen Jahr als Dolmetscherin für syrische Flüchtlinge auf dem Weinfest arbeiten konnte. Dort erregte die hübsche Syrerin die Aufmerksamkeit von Peter Terges. Es habe ein wenig Mut gekostet, aber dann habe er Ninorta einfach gefragt, ob sie selbst Weinkönigin werden wolle, erzählt Terges. "Ich wollte ein Zeichen setzen", fügt er hinzu.
Sandra Roth überreicht als scheidende Weinkönigin ihre Krone an Ninorta. Die 27-Jährige kennt die Pflichten inzwischen gut, die das Amt mit sich bringt. Sie erklärt: "Die Weinkönigin ist ein Aushängeschild für die Stadt Trier geworden."
In diesem Jahr hätten die Organisatoren eine außergewöhnliche Wahl getroffen, meint Kathrin, eine 29-jährige Studentin, die seit vielen Jahren das Trierer Weinfest besucht: "Die Leute, die die Veranstaltung organisieren, sind als sehr konservativ bekannt. Deshalb waren alle positiv überrascht, als eine syrische Flüchtlingsfrau ausgewählt wurde, um die Winzer und ihren Wein in Deutschland und auf der Welt zu repräsentieren."
Kathrin sitzt mit drei Kommilitonen am Tisch, die wie Ninorta aus Syrien stammen. Farhan kommt sogar aus der gleichen Stadt wie sie. Er finde es nicht immer gut, wie seine Landsleute sich in Deutschland verhielten, sagt er. Aber auf Ninorta sei er stolz. "Wenn sie zur Weinkönigin gekrönt wird, dann muss sie etwas Gutes geleistet haben", meint der 27-jährige Student. Dass Ninorta einen derartigen Medienrummel auf sich ziehen würde, habe er zwar nicht gedacht. Er freue sich aber, dass die Öffentlichkeit sich zur Abwechslung auf positive Nachrichten konzentriere. "Wenn etwas schlimmes passiert, tun alle immer, als wäre Krieg", sagt er.
Kathrin (3.v.l.) mit syrischen Kommilitonen (Foto: DW/N.Niebergall)
Kommilitonen - gemeinsam auf dem Weinfest: Kathrin (3.v.l.) und Farhan (l.)
Neue Gesetze und Traditionen
Ninorta erinnert sich, wie es sich anfühlt, in Deutschland fremd zu sein: "Ich weiß als Geflüchtete, dass es sehr schwer ist, sich in einem neuen Land zu integrieren. Man muss die Gesetze und Traditionen erst verstehen." Dass ihr Studium in Deutschland nicht anerkannt worden sei, habe es ihr nicht einfacher gemacht. "Ich habe alles verloren und musste hier wieder von vorne anfangen."
Dann tat sie etwas, was die Redner auf dem Trierer Weinfest als "gelebte Integration" preisen: Nachdem Peter Terges sie für das Amt der Weinkönigin vorgeschlagen hatte, lernte sie viel über die Kunst des Weinanbaus, über Winzer und Reben. "Wenn ich Zeit hatte, hab ich immer etwas über Wein gelesen", erzählt Ninorta - alles, um Teil einer sehr deutschen Tradition zu werden.
Dass sie nun beide Welten kennt - die deutsche und die der syrischen Flüchtlinge - will die frisch-gekürte Weinkönigin nutzen. "Ich möchte Botschafterin für Integration sein", kündigt sie in ihrer Antrittsrede an. Sie wolle anderen Flüchtlingen helfen, sich in Deutschland zurechtzufinden. In Trier scheint man überzeugt, dass der Wein dabei helfen kann. "Wein ist ein Kulturgut. Das verbindet Menschen", ist sich die BWL-Studentin und ehemalige Weinkönigin Sandra sicher.
"Auch in Syrien habe ich mit meinen Freunden und meiner Familie gerne Wein getrunken", erzählt Ninorta. Sie verbinde damit schöne Stunden. Heute trinke sie Wein "auch hier in Deutschland mit meinen neuen Freunden". Am liebsten mag sie den lieblichen Riesling aus Trier.
Publicar un comentario