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lunes, 23 de mayo de 2016

Wisente; Bialowieza: Sorge um Polens Urwald

Bialowieza: Sorge um Polens Urwald

Bialowieza: Wisente, Wölfe - und viel Wald
AP
Wisente streifen frei herum, ebenso Luchse, Elche, Wölfe: Der Bialowieza in Polen ist ein nahezu unberührtes Stück Wildnis in Europa. Doch Polens Regierung schielt auf das wertvolle Holz.
Jahrhundertealte Eichen, mächtige Fichten, majestätische Eschen, Linden und Hainbuchen stehen im Bialowieza-Wald. Unter ihren Kronen wimmelt es von Leben - Zehntausende Arten von Käfern, Würmern, Schnecken und anderen wirbellosen Tieren, unzählige Pilze, Hunderte Vogelarten haben hier ebenso ihre Heimat wie Wisent, Wolf und Elch.

Stirbt einer der mächtigen alten Bäume, ist das keineswegs das Ende der Geschichte. Sein Holz bietet der Vielfalt von Pilzen und Insekten Nahrung. Vögel finden in Höhlen im verrottenden Holz geschützte Nistplätze und Nahrung. Der tote Baum lässt neues Leben sprießen.
Holz ist allerdings auch ein wertvoller Rohstoff.
Die polnische Regierung plant, in einigen Gebieten des Bialowieza Holz zu schlagen, Naturschützer protestieren. Der urtümliche Wald, der zum Teil in Polen, zum Teil in Weißrussland liegt, zählt zum Weltnaturerbe und genießt zudem als "Natura 2000"-Gebiet besonderen Schutz.
Sieben Umweltschutzorganisationen, darunter der WWF und Greenpeace, haben bei der EU-Kommission eine Beschwerde eingereicht, um das Holzfällen zu verhindern. Von EU-Seite aus heißt es, man arbeite mit den polnischen Behörden zusammen, um sicherzustellen, dass die Maßnahmen in Einklang mit den "Natura 2000"-Richtlinien stehen. Das Ergebnis stehe jedoch noch nicht fest.
Die polnische Regierung argumentiert, dass ihre Vorgänger den Staat um viel Geld gebracht hätten, weil sie sich auf strikte Richtlinien hinsichtlich des Holzschlags eingelassen haben. Der polnische Umweltminister sagte gar, es sei ein Fehler gewesen, den Wald als Weltnaturerbe auszeichnen zu lassen, weil das internationale Aufsicht nach sich gezogen hätte.
Rund die Hälfte des Bialowieza gilt als weitgehend unberührt: Diese Gebiete wurden seit der Entstehung des Waldes vor rund 8000 bis 9000 Jahren kaum vom Menschen beeinflusst.
Auf der polnischen Seite stehen rund 35 Prozent des Waldes unter strengem Schutz. Diese Bereiche will die Regierung nicht angehen. Holz solle nur in den Gebieten gefällt werden, in denen dies auch in der Vergangenheit schon passiert sei. Die Umweltschützer argumentieren dagegen, die Pläne seien so weitgehend, dass sie schlussendlich auch die unberührten Teile des Waldes in Mitleidenschaft ziehen werden.
Geht es darum, den Borkenkäfer zu stoppen?
Das polnische Umweltministerium gibt an, das Fällen der Bäume sei ohnehin notwendig, um den Vormarsch des Buchdruckers, eines Borkenkäfers, zu stoppen. Seit 2013 hat das Insekt rund zehn Prozent der Fichten getötet, was drei Prozent der gesamten Baummenge entspricht.

Wissenschaftler halten dies jedoch für ein vorgeschobenes Argument, um wirtschaftliche Interessen zu kaschieren. Kürzlich sagte Jörg Müller, Forschungsleiter im Nationalpark Bayerischer Wald, im SPIEGEL, der Buchdrucker gehöre zum Naturwald. "In unserem Nationalpark haben wir gelernt, dass der Buchdrucker als Ingenieur des Zerfalls neue Lebensräume schafft." Es wäre Unsinn, die Bäume zu fällen.
Der Tod der Fichten schaffe Raum für neue Bäume, andere Arten, die besser an ein wärmeres, trockeneres Klima angepasst sind, sagen andere Forscher, die gegen die Pläne der Regierung protestieren. Zudem müsste man 80 Prozent der von Borkenkäfern befallenen Bäume fällen, um den Ausbruch einzudämmen, was logistisch unmöglich sei.
"Der Wald wurde über Jahrtausende von der Natur geformt", sagt etwa Rafal Kowalczyk von der polnischen Akademie der Wissenschaften. "Er ist einzigartig und sollte nicht in einen Nutzwald verwandelt werden. Dieses Überbleibsel alter Wälder mit seiner großen Artenvielfalt zeigt uns, wie Wälder vor Hunderten, sogar Tausenden Jahren aussahen."
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