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viernes, 6 de mayo de 2016

Papst Franziskus und Vertreter der Europäischen Union in Rom.

Papst Franziskus und Vertreter der Europäischen Union in Rom


REUTERS

Europa ist zerrüttet, Populisten umgarnen die Wähler - mitten in dieser Krise sendet der Papst eine Kampfansage: An AfDler, Pegida-Mitmarschierer und die neuen Nationalisten im Osten Europas.
Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Die Flüchtlingskrise, das erneute Aufflackern des griechischen Rettungsdramas, der mögliche Brexit - die Aufgaben, vor denen Europa steht, sind gewaltig. In fast allen europäischen Ländern sind antieuropäische Parteien auf dem Vormarsch. Die deutsche AfD wildert bei den Wählern der etablierten Parteien und in Österreich schickt sich ein Rechtspopulist an, das höchste Staatsamt zu erobern.


Man hätte es Papst Franziskus daher nicht verdenken können, wenn er bei seiner Rede zur Verleihung des Karlspreises am Freitagmittag im Vatikan kritische Worte für den Krisenkontinent gefunden hätte. So wie im November 2014, als er die EU im Europäischen Parlament in Straßburg mit einer "Großmutter" verglichen hatte, "die nicht mehr fruchtbar und lebendig ist".Die Lage hat sich seitdem nicht gebessert. Im Gegenteil: Vor allem die Flüchtlingskrise zeigt, wie brüchig die oft beschworene europäische Solidarität ist - wenn es mal nicht ums Geldverteilen geht, sondern ums Schultern gemeinsamer Lasten.
Anlass genug also für eine weitere Standpauke. Doch es kam anders. Der Papst redete den Europäern ins Gewissen, sicher. Aber er machte im Vatikan klar, dass es sich lohnt, für die Ideen und Ideale der Gemeinschaft zu kämpfen. Es war ein Appell, den Rechtspopulisten, von AfD bis Le Pen, entgegenzutreten. Ein Weckruf für den Krisen kontinent.
"Was ist mit dir los, humanistisches Europa, du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit", begann er zwar. Doch dann zeigte Papst Franziskus, dass er seinen Glauben an dieses Europa und die Europäische Gemeinschaft nicht verloren hat. "Sie wird die Größe der europäischen Seele wiederentdecken, die aus der Begegnung von Zivilisationen und Völkern entstanden ist", sagte er. Er zitierte die Gründerväter, Robert Schuman, Konrad Adenauer.
Der Papst setzt auf die Jugend
Mehr als auf den Mythos von einst setzte der Papst aber auf die Jugend, die jungen Menschen sind für ihn "die Protagonisten dieses Traums" Europa. Gerade deswegen geißelte er die hohe Jugendarbeitslosigkeit in so vielen EU-Ländern. "Wie können wir unsere jungen Menschen an diesem Aufbau teilnehmen lassen, wenn wir ihnen die Arbeit vorenthalten. Wenn wir ihnen keine würdigen Arbeiten geben, die ihnen erlauben, sich mit Hilfe ihrer Hände, ihrer Intelligenz und ihren Energien zu entwickeln."
Franziskus appellierte an die Wirtschaft, das ganze System, den jungen Menschen den Zugang zu Lohn und Brot nicht zu verwehren, an die Verantwortung von Konzernlenkern und Großbankern. Es brauche neue Wirtschaftsmodelle, so der Papst in seiner Kapitalismuskritik. "Diese sollen nicht darauf ausgerichtet sein, nur einigen wenigen zu dienen, sondern vielmehr dem Wohl jedes Menschen und der Gesellschaft."
Doch das Kirchenoberhaupt bot zugleich Mithilfe an, um Europa einen neuen Schub zu verpassen. "Am Wiederaufblühen eines zwar müden, aber immer noch an Energien und Kapazitäten reichen Europa kann und soll die Kirche mitwirken."
Ein Kontinent voller Selbstzweifel
Seine Rede galt einem Kontinent voller Selbstzweifel. Vielleicht braucht Europa diesen Appell von außen, um sich endlich wieder klar zu machen, welche Erfolgsgeschichte die Einigung eigentlich ist. Auch der scheidende US-Präsident Barack Obama feierte Europa kürzlich in Hannover als "eine der größten politischen Leistungen der Neuzeit", auch seine Rede war ein Appell gegen europäische Verzagtheit.


Der Papst schloss, ähnlich wie der amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King in seiner berühmten "I-have-a-dream"-Rede. "Ich träume von einem Europa, wo die jungen Menschen die reine Luft der Ehrlichkeit atmen", sagt er. Und: "Ich träume von einem Europa, in dem das Migrantsein kein Verbrechen ist."Das ist sicher der stärkste Satz seiner Rede. Ein Satz gerichtet gegen die katholischen Regierungschefs in Osteuropa. Gegen die selbst ernannten Verteidiger christlicher Werte wie Ungarns Viktor Orbán, die ihre Länder frei von syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen und Muslimen halten wollen. Es ist ein Satz gegen AfD-Leute, die am Grenzzaun am liebsten von der Schusswaffe Gebrauch machen würden, sobald sich eine Flüchtlingsfamilie nähert.Pegida, AfD, Le Pen, Orbán und die neue polnische Regierung - auf diesen Papst können sie sich nicht berufen, wenn sie ihre Weltsicht verteidigen.
Der Papst hat Stellung bezogen, wie man es von ihm erwartet, aber er schlägt die Tür nicht zu. Er sagt: "Wenn es ein Wort gibt, das wir bis zur Erschöpfung wiederholen müssen, lautet es Dialog."
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