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viernes, 6 de mayo de 2016

Ein Rektor erhält Hassmails.-Islamfeinde und Kopftuch debatte: Über ihren Kopf streitet Tschechien

Islamfeinde und Kopftuchdebatte: Über ihren Kopf streitet Tschechien 

Von Keno Verseck
Eman Ghaleb mit Mitschülern
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Eman Ghaleb mit Mitschülern
Ein Rektor erhält Hassmails, weil ein Mädchen Kopftuch trägt - nun beschäftigt das Thema ganz Tschechien. In der Flüchtlingskrise werden die Anti-Islam-Stimmen lauter.
Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.

"Gegen Hassreden" - so nennen die Jugendlichen ihr Video. Sie stehen vor dem Eingang ihrer Schule, zusammen mit Klassenkameradin Eman Ghaleb, dem Mädchen mit dem Kopftuch. Einige treten vor und sprechen in die Kamera. Matej Posta sagt: "Ich bin Christ. Wenn Sie Eman aus der Schule werfen wollen, weil sie nicht verbirgt, dass sie Muslimim ist, müssen Sie auch mich hinauswerfen, weil ich nicht verberge, dass ich Christ bin." Am Ende sagen alle zusammen: "Wir stehen hinter Eman."Das Video ist ein Zeugnis von Solidarität und Zivilcourage. Aufgenommen und auf Facebook gestellt haben es Ende April Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums Teplice. 50.000 Menschen leben in der nordböhmischen Kleinstadt nahe der deutschen Grenze, ein beschaulicher Kurort mit uralten Heilquellen.
Der Anlass: Unbekannte hatten an den Rektor des Gymnasiums, Zdenek Bergman, Dutzende E-Mails geschickt. Darin fordern sie ihn auf, Eman Ghaleb von der Schule zu werfen - weil sie ein Kopftuch trägt. Die 17-Jährige ist gebürtige Jemenitin, sie lebt mit ihrer Familie seit 2003 in Teplice. Ein "anständiges, kluges Mädchen", das viel Positives zum Schulalltag beitrage, wie Rektor Bergman sagt.

Im Unterricht wie im Alltag trägt sie einen Hidschab - ein Kopftuch, das Haare und Hals bedeckt, aber das Gesicht freilässt. Das sei Ausdruck ihrer Identität, sagt Eman Ghaleb, und habe natürlich nichts mit Extremismus zu tun. Das sehen die Absender der E-Mails anders: Sie werten das Kleidungsstück als Ausdruck islamischer Propaganda und deshalb als Bedrohung für tschechische Schüler. Vom Schuldirektor Zdenek Bergman verlangten sie, zu zeigen, ob er ein "Verräter" oder ein "Patriot" ist.
Gegen "blinden Hass" und "populistische Meinungen"
Bergman hatte mit einem Post auf seiner Facebook-Seite geantwortet - er lehnte die Forderung nach einem Schulverweis für Eman Ghaleb ab und verwahrte sich gegen "blinden Hass" und "populistische Meinungen". Kurz darauf hatten auch Schulkameraden von Eman Ghaleb ihr Video "Gegen Hassreden" veröffentlicht.
Zdenek Bergmans Facebook-Erklärung, vor allem aber das Schülervideo lösten in Tschechien einen Kopftuchstreit aus - und zugleich eine neue heftige Debatte über den allgemeinen Umgang mit Muslimen im Land. Dabei sind es längst nicht nur Rechts extremisten wie aus der Partei "Morgenröte der direkten Demokratie" (Usvit) oder der Organisation "Block gegen den Islam" (BPI), die eine "islamische Gefahr" heraufbeschwören und das Kopftuch als Teil einer "islamischen Salamitaktik" zur Vernichtung des christlichen Europa sehen.
Auch christdemokratische Politiker spekulierten über ein Verschleierungsverbot, um "islamische Gettos und Enklaven" wie in Deutschland oder Frankreich zu verhindern. Die sozialdemokratische Bildungsministerin Katerina Valachova sprach sich zwar gegen ein generelles Kopftuchverbot und gegen die Diskriminierung einzelner Schüler. Sie erklärte aber auch, Schulen müssten säkulär bleiben und religiöse Symbole dürften nicht die Freiheit und Rechte anderer einschränken. Daher sollte jede Schule selbst die Entscheidung über ein Kopftuchverbot treffen.
Zugleich erhielten die Schüler des Gymnasiums Teplice wie auch der Schuldirektor in sozialen Netzwerken oder per Mail viel Zuspruch, vor allem von jungen Leuten. Der Politologe und Extremismusforscher Miroslav Mares sieht darin eine "Jugendrebellion gegen den antiislamischen Diskurs vieler Politiker". Mit ihrer mutigen Aktion hätten die Schüler aus Teplice ein wichtiges Zeichen gesetzt, so Mares.
"Kultur der Mörder und des religiösen Hasses"
Einen ähnlichen Kopftuchstreit gab es in Tschechien schon einmal: Im Herbst 2013 verließen eine somalische und eine afghanische Studentin eine Prager Krankenpflegeschule. Zuvor hatte ihnen die Direktorin verboten, ein Kopftuch zu tragen. Die beiden Frauen wandten sich an die tschechische Ombudsfrau Anna Sabatova. Die hatte im September 2014 nach einer langwierigen Untersuchung entschieden, die Frauen seien diskriminiert worden - was bei einem Teil der tschechischen Öffentlichkeit große Empörung auslöste.
Die Flüchtlingskrise hat den Ton solcher Debatten in Tschechien noch einmal drastisch verschärft. An vorderster Front fällt dabei regelmäßig Staatspräsident Milos Zeman auf. Immer wieder beschimpft er muslimische Flüchtlinge als "Terroristen". Im November letzten Jahres nahm er zusammen mit dem rechtsextremen Führer des "Blocks gegen Islam", Martin Konvicka, an einer Kundgebung teil. Dort sagte er, Muslime hätten eine "Kultur der Mörder und des religiösen Hasses". Solche Sprüche kommen an - eine Mehrheit der Tschechen sieht muslimische Flüchtlinge als Gefahr für das Land.
Ärger mit arabischen Touristen

Auch Teplice machte wegen islamfeindlicher Kundgebungen schon Schlagzeilen. Der Kurort ist bei wohlhabenden Touristen aus den arabischen Golfstaaten ein beliebtes Urlaubsziel. Im letzten Sommer fühlten sich Einheimische in Teplice wegen Lärms durch die Touristen belästigt, außerdem gab es Probleme wegen liegen gelassenen Mülls in einem Park. Einige hundert Islamgegner, darunter Tomio Okamura, der Chef der rechtsextremen "Morgenröte"-Partei, nutzten die Gelegenheit, um vor Ort gegen arabische Touristen zu demonstrieren.
Es waren Eman Ghaleb und ihr Vater Mohammed Ghaleb, der als Arzt im städtischen Krankenhaus arbeitet, die den Streit schließlich schlichteten: Sie klärten Kurgäste über Verhaltensregeln im Ort auf und organisierten gemeinsame Begegnungen mit Einheimischen. Seitdem herrscht wieder Frieden in Teplice.
Umso schockierter waren Vater und Tochter über die Hassmails, die beim Direktor des Gymnasiums eingingen. Und umso dankbarer sind sie für die öffentlichen Solidaritätsbekundungen. Eman Ghaleb sagt: "Meine Mitschüler, mein Schuldirektor und alle, die sich für mich eingesetzt haben, geben mir das Gefühl, hier zu Hause zu sein."
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