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miércoles, 25 de mayo de 2016

Das Pep-Guardiola Experiment

Drei Jahre war Pep Guardiola Trainer in München. Titel hat er viele gewonnen, aber Sympathien? Der Spanier gilt als scheu, Interviews gab er keine, auch Pressekonferenzen empfand er als Zumutung - es wurde ihm zu wenig über Fußballtaktik geredet. Wir haben das geändert.


Es gibt ein Bild von Pep Guardiola, da liegt er in der Luft, die Arme ausgebreitet, und er lächelt. Guardiola schwebt in diesem Moment, kurz bevor ihn seine Spieler wieder auffangen. Man kennt das Bild: den fliegenden Guardiola, die Spieler, die ihren Trainer ausgelassen hochleben lassen. So wie nach dem Gewinn des DFB-Pokals im Berliner Olympiastadion hat man es schon einmal gesehen, nur waren die Spieler damals keine Münchner, sondern Profis des FC Barcelona.
Der schwebende Guardiola ist ein Symbolbild des Erfolgs. Nun, da sich der Trainer nach drei Jahren aus München Richtung Manchester verabschiedet, gibt es in Deutschland eine seltsame Debatte: Wie erfolgreich war der Katalane beim FC Bayern wirklich und war der Flug im Olympiastadion zum Abschied nicht zu wenig? Damals, vor ein paar Jahren mit dem FC Barcelona, war der Anlass bedeutender. Größer. Ein Sieg in der Champions League. War es nicht das, wofür man ihn geholt hatte?
Seine Vorstellung in München am 24. Juni 2013 ist bis heute die größte Pressekonferenz des FC Bayern. Es war gleichzeitig vielleicht der unschuldigste Tag in der Verbindung Bayern-Pep. Der Trainer gewann in jenen 50 Minuten die Herzen der Berichterstatter, und er schaffte das vor allem deshalb, weil er bemerkenswert gutes Deutsch sprach. Aber da war noch mehr: Pep schmeichelte dem neuen Klub und machte sich gleichzeitig klein, was wichtig ist in München, wo der Trainer nie größer sein darf als der Verein. "Wenn du bei Bayern bist, musst du immer gewinnen", sagte Pep. Ja, er hatte sogar das Bayern-Gen.
"Es war fast so, als sei Jesus Christus wieder auferstanden", erinnert sich Karlheinz Wild, Chefreporter des "Kicker" und seit 30 Jahren Bayern-Beobachter. Die sportliche Perspektive dieser ungewöhnlichen Konstellation reichte in diesem Moment tatsächlich höher als in den Fußballhimmel. Es war alles möglich, und sogar noch mehr.

DPA
Drei Jahre war Josep Guardiola Trainer des FC Bayern. National holte er fünf von sechs möglichen Titeln, in der Champions League scheiterte Bayern dreimal in Folge im Halbfinale.
FOTOS
Am Ende der drei Jahre stehen drei Meisterschaften, zwei Pokalsiege, ein Weltpokal und drei Halbfinals in der Champions League, und es gibt eine Menge Kritiker, die sagen: "nur." In der Champions League dreimal im Halbfinale? Dreimal ausgeschieden! Meister? Pah, mit diesem Kader! Prominente Bundesligamanager sagten in Hintergrundgesprächen, eine endgültige Beurteilung von Guardiolas Klasse sei erst möglich, wenn er mal in Darmstadt gearbeitet habe. Wer diesen Männern zuhörte, war überzeugt, Pep habe seinen Trainerschein in einer katalanischen Lotterie gewonnen.
Gott oder Depp, weiß oder schwarz - die Bewertung von Pep Guardiola spielte sich immer zwischen zwei Polen ab, und beide entfernten sich voneinander. Irgendwann konnten sich die Verteidiger des Spaniers und seine Kritiker nicht mehr sehen, umso lauter wurde eben argumentiert - und umso persönlicher.
Wie konnte es so weit kommen? Am Ende geht es um Kommunikation. Der schweigsame Katalane soll vereinsintern schon nicht viel gesprochen haben, Mitarbeiter des Klubs sagen nach all der Zeit, sie wüssten immer noch nicht wirklich etwas über Guardiola. Schweigen spielte aber auch in der öffentlichen Debatte über Pep eine entscheidende Rolle.

"Ich weiß, ich bin kein normaler Trainer"

Pep Guardiola gibt keine Einzelinterviews. Diese Entscheidung traf er einst auf Anraten seines Kollegen Marcelo Bielsa. Der fand, so schreibt es der spanische Buchautor Martí Perarnau in einem Gastbeitrag, "dass es weder fair noch sinnvoll sei, ein kleines Medium anders zu behandeln als ein großes." Die Verweigerung zu akzeptieren und nicht persönlich zu nehmen, ist nicht allen leicht gefallen. "Ich weiß, ich bin kein normaler Trainer, ich gebe keine Interviews. Aber am Ende denke ich, es ist besser", sagte Guardiola auf der PK vor dem letzten Heimspiel gegen Hannover. Es klang fast entschuldigend.
Pressekonferenzen - nur auf diesem Podium war eine Art Dialog mit dem verschrobenen Trainer überhaupt möglich. Doch es wurde immer wieder deutlich, dass Guardiola auch diese Veranstaltungen vor allem als Pflicht empfand. Einen Grund dafür nannte er im Februar, auf einer Pressekonferenz: "Ich liebe es, über Fußball, über Taktik zu sprechen. Doch es gibt hier Zeitungen, die es in drei Jahren geschafft haben, nicht eine einzige fußballerische Frage zu stellen." Das war zum einen die Medienschelte eines Mannes, der sich oft missverstanden fühlte und Gefahr witterte. Aber auch der Ausbruch eines 24/7-Fußballverrückten, eines Nerds. Eine Art Hilferuf: Lasst uns über Fußball reden!
Wir haben ihn beim Wort genommen.

DAS EXPERIMENT

Es geht bei Pep Guardiola auch immer um Authentizität. Wenn der Trainer im Fernsehen über einen Spieler sprach, dann war dieser mindestens "super", meistens "super super". Wenn er über den nächsten Gegner sprach, dann war der mindestens auf Augenhöhe, ganz sicher aber super super gefährlich. Man kann das höflich finden oder vorsichtig, aber wenn alles super super ist - was ist dann wahr?
Wir haben uns im Februar entschieden, es Guardiola vor Bundesligaheimspielen des FC Bayern nicht mehr ganz so einfach zu machen. Wie würde sich der Mann geben, wenn aus der Tiefe des Raumes plötzlich und ganz unerwartet eine Taktikfrage käme? Was könnte man lernen über einen Trainer, wenn man ihn ernst nahm? Über drei Monate wollten wir ihm immer wieder sehr konkrete Fragen zu sener Taktik stellen: vor dem Spiel und nach dem Spiel, bei vier Partien insgesamt. Zur Wiedererkennung sollte die Art der Fragen dienen. Und ein knallroter Pullover des Fragestellers.
Es gab einen Fallstrick. Wir wussten, dass Guardiola über das eigene Team nie wirklich ein ernstzunehmendes Wort verlor, außerdem würde der Trainer nie öffentlich Einblicke in die eigene Aufstellung geben. Also musste der kommende Gegner im Fokus stehen.
Und dann ging es los.

Glanz und Einsamkeit

Dienstag, 1. März 2016
13.30 Uhr
Mediencenter des FC Bayern
Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Mainz
Pep Guardiola sitzt im Mediencenter der Münchner vor einer Handvoll Journalisten, die kaum etwas weniger zu interessieren scheint als das bevorstehende Bundesligaspiel gegen Mainz 05. Die Stimmung ist kühl, von Vertrautheit fehlt jede Spur. Guardiola kommt keine Minute zu früh, er wird sofort nach Ende der Pressekonferenz wortlos den Raum verlassen.
Das erste, was auffällt, wenn man Guardiola gegenübersitzt, ist, wie schnell er sich verwandeln kann. Gerade noch blickt man in sein höfliches Gesicht, dann ziehen sich seine Brauen zusammen und die Stirn liegt in Falten. Der Auslöser dafür, dass Guardiola bisher größtmöglich angestrengt wirkt, ist eine Frage. Ganz egal, welche.

SPIEGEL ONLINE: Mainz verteidigt sehr kompakt, schafft im Zentrum und im Halbraum auf der Ballseite Überzahl. Werden Sie trotzdem versuchen, in diese Räume hineinzukommen und die Mitte zu dominieren? Oder werden Sie den Fokus auf die Flügel legen?
Guardiola: Um erfolgreich durch die Mitte zu kommen, brauchst du Breite. Um über die Außen durchzukommen, brauchst du Spieler in der Mitte. Es geht nicht um entweder, oder. Wenn der Gegner unsere Flügelspieler verfolgt, wählen wir die Mitte. Wenn die gegnerischen Sechser in ihren Positionen bleiben, versuchen wir es wieder anders. Wenn sie versuchen, unsere Mittelfeldspieler unter Druck zu setzen, können wir die Räume attackieren, die dann frei werden.
Als die Mainzer Stärken beschrieben werden, beginnt der Katalane mit dem Kopf zu nicken. Das Stirnrunzeln ist verschwunden, seine Augen beginnen zu glänzen. Während der Antwort wird Guardiolas geöffnete linke Hand zum Spielfeld, die Finger der rechten zu Spielern, er tut das intuitiv und in einem solchen Tempo und mit solcher Routine, dass man eine Ahnung davon bekommt, wie oft er seine Ideen erklärt. 76 Sekunden dauert Guardiolas Fußballlektion, erstmals bei dieser Pressekonferenz wirkt er nicht angestrengt. Dann kehren die Falten zurück.
Mittwoch, 2. März 2016
20.20 Uhr
Allianz Arena
Spiel gegen Mainz (1:2)
Guardiola wird von einer bis dahin noch nicht genutzten 5-2-3-Formation der Mainzer überrascht. Mittelfeld- und Abwehrreihe schieben jeweils stark zur Ballseite, sodass dort Überzahl entsteht. Durch den zusätzlichen Verteidiger deckt der FSV gleichzeitig die ganze Breite des Feldes ab und ist gegen weite Verlagerungen gewappnet. Es gibt aber auch eine Lücke: Sobald beide Sechser in Richtung Seite verschoben haben, klafft ein Loch im Mittelfeld. Doch es gelingt Guardiolas Elf zu selten, die Schwäche auszunutzen.
Es gibt Trainer, die ruhig auf der Bank sitzen, und es gibt Pep Guardiola. Er weist seine Verteidiger an, im Spielaufbau breiter zu stehen, um das Mainzer Pressing zu entzerren; er korrigiert die Abstände zwischen Thiago und Vidal; er zeigt Lewandowski und Robben an, welche Räume sie gegen diese Mainzer Formation besetzen müssen; er verändert die Absicherung gegen Konter, und das alles innerhalb der ersten 20 Minuten. Am Ende verlieren die Bayern trotzdem. Es ist ihre einzige Bundesliga-Niederlage in der Rückrunde.
Mittwoch, 2. März 2016
22.15 Uhr
Allianz Arena
Nach dem Spiel gegen Mainz
Für einen Perfektionisten, der soeben gegen einen Außenseiter verloren hat, wirkt Pep Guardiola erstaunlich gelassen. Pressekonferenzen nach dem Spiel sind in der Regel schlecht besucht. Ein paar Meter weiter in der Allianz Arena, den Gang herunter, befindet sich die Mixed Zone, in der sich die Spieler äußern. Ihre O-Töne sind begehrter als die Guardiolas.

SPIEGEL ONLINE: Mainz hat in einer ungewöhnlichen Formation gespielt. Darin gab es aber auch Lücken, vor allem auf der ballfernen Seite im Halbraum. Wieso haben Sie es so selten geschafft, dort hineinzukommen?
Guardiola: Normalerweise spielt Mainz mit einer Viererkette, heute nicht. Wir mussten uns anpassen. Wir kennen das, Mainz ist nicht der erste Gegner, der gegen uns umstellt. Gegen die Fünferkette brauchten wir Breite und einen Spieler mehr in der Mitte. Manchmal haben wir Robben gefunden, Thiago weniger. Wir hatten am Anfang ein paar Probleme. Aber dann haben wir das Spiel kontrolliert. Das defensive Umschalten war eigentlich gut. Bis auf den Konter vor dem 1:2.
Guardiola beantwortet geduldig sämtliche Fragen. Ganz verschwunden sind seine Falten aber nicht. Nach der Frage zum Mainzer Formationsloch wirkt er skeptisch; die Erklärung liefert er direkt im Anschluss, als er sich Bayerns Mediendirektor zuwendet. Er habe die Frage nicht ganz verstanden.
Wer Guardiolas sonderbares Verhältnis zur Öffentlichkeit verstehen will, kommt um das Thema Kommunikation nicht herum. Direkt zu Beginn seiner Münchner Zeit ließ er Trainingsplätze mit Planen abdecken und schaffte die Hintergrundgespräche mit den Journalisten ab. Guardiola kappte die Verbindungen zur Außenwelt. Allein bei den offiziellen Pressekonferenzen ist er zum Sprechen gezwungen. Doch sein Deutsch ist nicht perfekt, Englisch ist vom Klub unerwünscht. So entsteht ein Verständigungsproblem, das zu einer latenten Verunsicherung auf beiden Seiten führt.

Protokoll: Karl-Heinz Wild

"Dass es mit diesem Supersuper-Erfolg nichts wurde, lag auch an Guardiola"

Pep Guardiola ist ein hervorragender Trainer, ein Fußball-Lehrer par excellence. Seine Idee von diesem Spiel Fußball ist in ihrer offensiven Ausprägung visionär. Der Spanier ist fachspezifisch eine Koryphäe. Er hat in seinen drei Jahren in München dreimal die Meisterschaft gewonnen, zweimal den Pokal und in jedem Jahr das Halbfinale der Champions League erreicht. Und doch ist seine Zeit beim FC Bayern auch kritisch zu sehen. Dass er keine direkten Interviews gibt, ist übrigens überhaupt kein Grund, für einen Journalisten darf das kein Kriterium sein. Es gibt andere, sachlich zu belegende Gründe.
Karlheinz Wild, 58, ist Chefreporter des "Kicker" und begleitet den FC Bayern München seit drei Jahrzehnten.

Wahn und Demut

Freitag, 11. März 2016
13.30 Uhr
Mediencenter des FC Bayern 
Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Bremen
Es dauert genau drei Sekunden, bis Guardiola einen dieser Sätze sagt, die bei den Zuhörern kollektives Kopfkratzen auslösen. Am Samstag kommt Werder Bremen nach München, ein Abstiegskandidat, der den Klassenerhalt erst in den letzten Minuten der Saison schaffen wird. Für Guardiola ist Bremen dennoch "eine der besten Mannschaften Deutschlands".
Überhöhungen wie diese machen Guardiola zur Zielscheibe für Spötter. Warum macht er das? Bezieht er sich vielleicht auf Bremens historische Rolle in der Bundesliga? In diesem Fall hätte die Sprache erneut für Missverständnisse gesorgt. Vielleicht ist es auch Demut. Das wiederum passt nicht zum Selbstverständnis des FC Bayern. Einige von Guardiolas Gesprächspartnern nehmen ihm solche Aussagen nicht mehr ab. Sie fühlen sich nicht ernst genommen.
Eine andere Deutung: In Sachen Fußball lebt Guardiola in ständiger Furcht, sieht überall potenzielle Probleme. Das klingt wahnhaft, würde aber die Akribie erklären, mit der Guardiola jeden noch so chancenlosen Testspielgegner seziert. Womöglich ist aber genau das der Schlüssel zur bis dahin ungekannten Konstanz, mit der die Bayern durch drei Jahre durch die Bundesliga marschiert sind. Wo Angst herrscht, ist für Nachlässigkeit kein Platz.

SPIEGEL ONLINE: Werder verteidigt gegen Top-Mannschaften im Abwehrpressing, macht die Räume sehr eng. Davor, im Mittelfeld, verteidigt Bremen dafür aber manchmal zu passiv. Es fehlt der Druck auf den Ballführenden.
Guardiola: Wir, passiv?
SPIEGEL ONLINE: Nein, Bremen. Welche Angriffsvariante verspricht den größten Erfolg? Werden Sie Chipbälle forcieren?
Guardiola: Ja, das oder darauf hoffen, dass ein Spieler an drei Gegnern vorbeidribbelt und den Ball in den Winkel schießt. Wir brauchen Flanken, müssen die Duelle im Strafraum gewinnen. Bremen hat uns im Hinspiel keinen Raum gelassen, nicht zwischen den Linien, nicht hinter der Abwehr. Also brauchen wir Spieler mit Qualitäten in kleinen Räumen, müssen die zweiten Bälle gewinnen oder auch mal selber kontern, wenn Werder angreift. Und wir brauchen viel Geduld um Konter zu vermeiden.
Es klingt absurd: Dachte Guardiola wirklich, man hielte seine Mannschaft für passiv? Es wirkt, als würde er ständig Attacken auf seine Person befürchten. Als er sich vergewissert hat, dass Bremen gemeint ist, fällt die Anspannung von ihm ab, Guardiola zuckt mit den Achseln, nickt und beginnt zu erzählen; er sieht nun aus wie jemand, der sich für eine Peinlichkeit entschuldigen möchte.
Samstag, 12. März 2016
18.38 Uhr
Allianz Arena
Spiel gegen Bremen (5:0)
Bremen benötigt etwas mehr als acht Minuten, um zu zeigen, dass man nicht zu Deutschlands besten Mannschaften gehört. Dann nämlich schießt Thiago die Bayern in Führung. Die Partie gehört zu den einseitigsten der gesamten Saison, am Ende kommen die Münchner auf 83 Prozent Ballbesitz und 20:2 Torschüsse. Bis auf die angebliche Bremer Stärke ist vieles von dem eingetroffen, was Guardiola am Vortag angekündigt hat.
Er sei im Vergleich zu seiner Zeit in Spanien ein besserer Trainer, sagte Guardiola vor der Partie. Weil er gelernt habe, auf verschiedenen Wegen zu attackieren und zu verteidigen. Dieses 5:0 ist ein Paradebeispiel. Die Bayern flanken 19-mal, acht Hereingaben mehr als im Schnitt üblich. Neben dem 1:0 werden zwei weitere Treffer über rechts vorbereitet, ein Tor fällt nach einer Ecke, einem geht ein langer Ball voraus, auch die Chipbälle hat das Team im Repertoire. In Barcelona, wo Guardiola von 2008 bis 2012 Trainer war, dienten Angriffe über die Flügel meist nur als Köder, um die Verteidiger aus der Mitte zu locken. In München hat Guardiola sich an die Qualitäten des Kaders angepasst.
Samstag, 12. März 2016
21.50 Uhr
Allianz Arena
Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Bremen

SPIEGEL ONLINE: Werder hat es mit der Taktik aus dem Hinspiel versucht und wieder im sehr tiefen 5-4-1 verteidigt. Im Gegensatz zu damals haben Sie diesmal gezielter den Raum zwischen den Bremer Linien besetzt. War das der entscheidende Unterschied?
Guardiola: Unser Positionsspiel und unsere Intensität waren besser. Gegen eine Zehn-Mann-Abwehr müssen die Spieler in der richtigen Position sein, wenn wir in Ballbesitz sind. Wenn jeder nur an die eigenen Aktionen denkt statt an die Mannschaft, haben wir keine Chance. Werder hat auf den einen Moment gewartet, in dem wir unseren Kopf verlieren, nicht gut attackieren, weil wir nicht treffen und denken, wir müssten mehr tun. In diesem Moment sind wir kaputt.
Bis eben waren Guardiolas Schultern eingefallen und sein Blick gesenkt. Nun beginnt er, seine Worte mit Gesten zu untermalen, seine Augen glänzen, ganz so wie vor dem Mainz-Spiel. Guardiola reagiert auf Taktik-Fragen tatsächlich anders. Was auch nicht weiter verwundert, denn je fußballspezifischer die Frage, desto selbstsicherer kann Guardiola antworten. Er behält die Kontrolle.
Er erklärt wesentliche Prinzipien seines Spiels, die Staffelung im Ballbesitz, die den Ballverlust abfedern soll, die Bedeutung korrekter Abstände zu Mit- und Gegenspielern, und dass seine Profis nicht durch eigenmächtige Bewegungen die Organisation in Ballbesitz durcheinander bringen sollen.
Es gibt aber auch nicht viele Trainer, die nach derart einseitigen 90 Minuten über die Gefahren sprechen, die vom Gegner hätten ausgehen können. Dass es Guardiola gelingt, Instinktfußballer und Kreativspieler für seine strengen Positionsvorgaben zu sensibilisieren, ist ein Indiz dafür, dass er die Lobeshymnen auf gegnerische Mannschaften und Spieler ernst meint. Sind die Glorifizierungen Teil seiner Erfolgsstrategie? Der Gedanke erscheint zumindest nicht mehr so abwegig.

Protokoll: Martí Perarnau

"Nach einem Sieg lässt er die Spieler alleine, nach Niederlagen ist er bei ihnen"

Bei Pep Guardiola dauert die Vorbereitung eines Spiels immer mindestens drei Tage. Er erklärt seinen Spielern, wie der Gegner spielt, dessen Stärken und Schwächen. Er führt taktische Gespräche mit dem gesamten Team und individuelle mit den Spielern. Außerdem lässt er alle Spielzüge einüben, die nötig sein könnten, um den Gegner zu schlagen. Zwei Stunden vor dem Spiel ruft Pep alle Spieler zusammen, teilt die Aufstellung mit und hält eine letzte Rede, die taktische Aspekte mit Emotionalem verbindet - jeweils dem Gegner angepasst.
Der Spanier Martí Perarnau, 61, ist Autor von Sportbüchern. Sein Buch "Herr Guardiola. Das erste Jahr mit Bayern München" erschien 2014.

Krieg und Frieden

Freitag, 29. April 2016
13 Uhr
Mediencenter des FC Bayern
Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Mönchengladbach
Die Luft steht und es ist stickig, als Guardiola den Raum betritt. Keine Pressekonferenz war in den vergangenen Wochen so gut besucht wie die vor dem Spiel gegen Mönchengladbach. Die Partie wird gerahmt von den beiden Champions-League-Halbfinals gegen Atlético Madrid, zudem kann der FC Bayern mit einem Sieg die Meisterschaft perfekt machen. Der kleine Raum ist voller Journalisten, einige sind extra angereist aus Italien, Spanien, Brasilien und sitzen nun aneinandergedrängt.
Nachdem Guardiola Platz genommen hat, sucht er den Raum ab, er schaut in viele unbekannte Gesichter, sein Blick ist unstet, bis die erste Frage gestellt wird. Dann fixiert er sein Gegenüber, es ist, als gebe es nur noch sie beide, den stirnrunzelnden Trainer und den Fragesteller.

SPIEGEL ONLINE: Besonders auffällig ist bei den Gladbachern, dass sie im Pressing mit sehr hoher Mannorientierung spielen. Was sind die Vor- und Nachteile dieser Spielweise und was werden Sie am Samstag dagegen unternehmen?
Guardiola: Wegen der Eins-gegen-Eins-Deckung wird Manuel Neuer der einzige freie Mann sein. Also ist unsere Strategie, dass er mit dem Ball losdribbelt und Tore schießt. Wir werden ein bisschen mehr lange Bälle spielen als sonst. Wir müssen uns anpassen. Es ist komplett anders als gewohnt. Aus diesem Grund mag ich Mönchengladbach.
Diesmal bleibt Guardiola an der Oberfläche. Ein kleiner Witz, ein kurzer Einblick, aber auch eine vertane Chance zu erklären, warum strikte Mannorientierung auf höchstem Niveau auch zum Nachteil werden könnte. Denn wer sich stets am Gegenspieler orientiert, ist dessen Bewegungen ausgeliefert und immer einen Schritt hinterher. Harmonisierte Laufwege der Bayern könnten das Pressing der Borussia überwinden, zum Beispiel indem die Offensivspieler sich auf ein Kommando hin ins Mittelfeld fallen lassen und dadurch anspielbar machen.
Guardiolas Auftritte verlangen stets nach einer Decodierung auf mehreren Ebenen. Das gilt für seine Sprache, für seinen Hang zum Überschwang, und erst recht für das Verhältnis oder besser: Nicht-Verhältnis zu den Journalisten. Einmal unterbricht Guardiola Bayerns Mediendirektor und spricht einen Journalisten direkt an. "Ich bin noch nicht tot, my friend", sagt er wie aus dem Nichts. Es wird für einen Moment ganz still. "After dieses Spiel you kill me, everybody kill me. Aber ich bin noch nicht tot. Ich habe noch eine Patrone." Guardiola beginnt zu lächeln, dann schmunzeln einige Journalisten, wenn auch nicht so, wie man über einen besonders gelungenen Witz schmunzeln würde.
Vielleicht ist das der ehrlichste Moment bei dieser Pressekonferenz. Er liefert einen Hinweis darauf, wie Guardiola das Verhältnis zu den Medien empfindet. Er wähnt sich unter Beschuss, er fühlt sich angegriffen mit Worten, und die Waffe, mit der er sich zu verteidigen versucht, ist sportlicher Erfolg.
Samstag, 30. April 2016
15.30 Uhr
Allianz Arena
Spiel gegen Mönchengladbach (1:1)
Gegen Gladbach beginnen die Bayern mit einer B-Elf, aus der Aufstellung werden es nur Manuel Neuer und Jérôme Boateng in die Startelf gegen Atlético schaffen. Hinterher wird Guardiola verraten, dass seine Spielerwahl ausnahmsweise weniger an den Stil der Borussia angepasst war, sondern im Zusammenhang mit der Champions-League-Partie stand. Boateng sollte sich Spielpraxis holen. Um ihn abzusichern, stellte Guardiola ihm zwei Mitspieler zur Seite, deshalb musste mit Serdar Tasci ein Rechtsfuß auf der Position des linken Halbverteidigers auflaufen, was Gladbach das Pressing erleichterte.
Die Bayern wirken unbeholfen, die Mannschaft erreicht einen 13-Prozent-Anteil an langen Bällen, gegen Bremen waren es noch 6,3 Prozent gewesen. Das liegt am starken Gladbacher Pressing, aber auch daran, dass die Bayern nicht in der Lage sind, den Ball kontrolliert ins Angriffsdrittel zu bringen. Was nicht fehlt, ist der Wille: 119,4 Kilometer reißt die Mannschaft ab, viel mehr als sonst.
Samstag, 30. April 2016
17.50 Uhr
Allianz Arena
Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Mönchengladbach
Als Pep Guardiola verstanden hat, was er soeben gefragt wurde, wirkt er irritiert. Ein Reporter wollte wissen, ob die Mannschaft "mit dieser Einstellung" gegen Atlético bestehen könne. Man ahnt, dass für Guardiola nicht Attitüde das Problem gegen die Borussia gewesen ist, genauso wie man ahnt, dass seine Antwort, die sich um die taktische Herangehensweise dreht, den Journalisten nicht zufriedenstellen wird.

SPIEGEL ONLINE: Sie hatten Probleme im Spielaufbau gegen das sehr gute Gladbacher Pressing und haben tatsächlich öfter als üblich mit langen Bällen gearbeitet. Warum haben Sie nicht versucht, kontrollierter ins Mittelfelddrittel zu kommen? War Ihnen das zu riskant?
Guardiola: Wir mussten unsere Spielweise an die Qualitäten unserer Mittelfeldspieler anpassen. Es macht einen Unterschied, ob Xabi Alonso, Philipp Lahm oder Arturo Vidal spielt. Wir wollten in den Rücken von Gladbachs Mittelfeldspielern kommen. Natürlich entsprach das heute nicht unserer eigentlichen Spielweise. Wenn der Ball schnell nach vorne geht, kommt er schnell wieder zurück. Meine Idee ist es eigentlich, gut aufzubauen, viele Pässe zu spielen und im richtigen Moment zu attackieren.
Der Ansatz eines Lächelns zeichnet sich in Guardiolas Gesicht ab, als das Stichwort lange Bälle fällt. Er erklärt nun ausführlich seinen Plan: die Anpassung an Gladbachs Spielweise, den Bruch mit der eigenen Spielidee, die Räume, die bespielt werden sollten, die Probleme, die er bewältigen musste. Er klingt offen und selbstkritisch, nimmt sich Zeit zum Antworten.
Dabei haben speziell die Szenen rund um das Gladbach-Spiel die zwei Fronten gezeigt, die entstanden sind. Auf der einen Seite manche der anwesenden Journalisten, auf der anderen Guardiola, sie haben sich aneinander sattgesehen, in ihren Gesprächen schwingt zunehmend Zynismus mit. Für viele der Beteiligten wird das Ende von Guardiolas Zeit in München auch eine Erlösung sein.

Guardiolas Rekorde als Trainer der Bayern

Protokoll: André Schubert

"Gegen Pep fiel die Vorbereitung besonders schwer"

Vor unserem Spiel in der Hinrunde haben wir analysiert, was die Bayern ausmacht. Wie eröffnen sie das Spiel, wo positionieren sich die einzelnen Spieler, was machen sie bei Ballverlust und Ballgewinn? Das tun wir gegen jeden Gegner. Gegen Pep Guardiolas Bayern fiel die Vorbereitung besonders schwer, denn man weiß nie, ob man es mit einer Dreier- oder Viererkette zu tun bekommt oder wie sie in der Offensive angeordnet sein werden. Wir hatten eine Ahnung aufgrund der vorherigen Spiele, aber sicher sein konnten wir uns nicht.
André Schubert, 44, ist seit September 2015 Trainer von Borussia Mönchengladbach. Am 15. Spieltag fügte er den Bayern ihre erste Niederlage dieser Bundesligasaison zu. Auch im Rückspiel blieb Schuberts Mannschaft ungeschlagen.

Sucht und Kontrolle

Freitag, 13. Mai 2016
13 Uhr
Mediencenter des FC Bayern
Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Hannover
Falls Pep Guardiola ein sentimentaler Mensch sein sollte, lässt er es bei seiner letzten Pressekonferenz an der Säbener Straße niemanden merken. Wie er die Zusammenarbeit mit den Journalisten gefunden habe? "Ich weiß, es ist schwer mit mir, weil ich keine Interviews gebe. Ich glaube, dass das eure Arbeit erleichtert. Ein zu enges Verhältnis könnte da belastend sein." Ob bei seinem letzten Spiel in der Allianz Arena Tränen fließen würden? "Ich weiß es nicht." Wichtig sei vor allem, sich mit einem guten Spiel von den Heimfans zu verabschieden.

SPIEGEL ONLINE: Hannover hat seine Taktik unter Trainer Stendel verändert. Die Mannschaft spielt meist im Angriffspressing mit hoher Mannorientierung und ähnelt Mönchengladbach. Sie sagten, gegen 96 stünde nicht das Resultat im Vordergrund, sondern die Art, wie es zustande kommt. Wird ihr Team also wieder gemeinsam angreifen, statt den direkten Weg zum Tor zu wählen?
Guardiola: Meine Erfahrung ist, dass es immer, wenn wir den direkten Weg zum Tor wählen, in einem Desaster endet. Dass wir bisher nur 16 Tore kassiert haben, liegt vor allem daran, dass wir unseren Ballbesitz kontrolliert haben. Wenn wir lange Bälle spielen, leidet unser Aufbau, dann bekommen wir Probleme. Gegen Hannover wird es nicht ganz ohne lange Bälle gehen. Aber wir müssen an unserem Aufbau arbeiten.
Der direkte Weg zum Tor lässt Guardiola erschaudern, er seufzt und atmet tief durch, dann beginnt er kopfschüttelnd zu antworten. Gegen 96 will Guardiola ein Spektakel erleben, aber auf seine Weise.
Als der offizielle Teil der Pressekonferenz vorbei ist, richtet sich ein Journalist direkt an Guardiola. Die Zusammenarbeit sei nicht immer einfach gewesen, aber schön. Drei Anwesende beginnen zu applaudieren, lassen es aber, als sie bemerken, dass niemand mitmacht. Dann startet Guardiola seine Abschiedsrunde. Er geht zu jedem Journalisten und reicht ihm die Hand. 25 Handschläge, 25 Blicke in die Augen des Gegenübers, 25-mal heißt es "Alles Gute", ehe Guardiola zum wohl letzten Mal den Medienraum an der Säbener Straße verlässt. Guardiola geht, ohne sich umzudrehen.
Dann gehen die Lichter aus.
Samstag, 14. Mai 2016
15.30 Uhr
Allianz Arena
Spiel gegen Hannover (3:1)
Vor einer Woche haben die Bayern die Meisterschaft in Ingolstadt perfekt gemacht, nun folgt die Party, Guardiola-Verabschiedung inklusive. Im Stadionheft schreibt Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, Guardiola verlasse den Klub als großer Freund des FC Bayern. Was er nicht schreibt, ist, dass aus der Beziehung niemals mehr geworden ist als Freundschaft.
Die Art, wie Guardiola verabschiedet wird, sagt viel aus über seine Zeit in München, vor allem wenn man sich an seine Vorstellung erinnert. Der Abschied ist prunklos; es gibt warme Worte auf dem Rasen und Applaus von den Rängen, wer sucht, findet ein Banner, auf dem "Danke, Pep" steht. Auf der Videowand wird ein Film abgespielt, den Guardiola selbst kaum beachtet. Dann ist alles vorbei.
Im Spiel schaffen es die Bayern einige Male, Hannovers Pressing kontrolliert zu überwinden. Dann wiederum spielen sie zu hektisch. Franck Ribéry dribbelt mehrfach von der Mittellinie los, obwohl seine Mitspieler ihre Positionen noch nicht eingenommen haben. So kommen die Bayern zwar zu drei Toren, kontrollieren das Spiel aber nicht wie vom Trainer gewünscht. Das Resultat sind 20 zugelassene Abschlüsse.
Samstag, 14. Mai 2016
17.50 Uhr
Allianz Arena
Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Hannover
Der Geruch von Bier liegt in der Luft, die Klamotten sind durchnässt, Bayerns Mediendirektor nennt seinen Noch-Trainer Jupp Guardiola: Bei der Pressekonferenz nach der Meisterfeier ist die Stimmung ausgelassen. Doch das legt sich schnell. Guardiola handelt die bevorstehende Meisterfeier in zwei Nebensätzen ab.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben es nicht ganz geschafft, kontrolliert aufzubauen, und wieder direkter gespielt als sonst...
Guardiola: ...wir mussten variieren, ein paar diagonale Bälle spielen, Mario Götze hinter Hannovers Mittelfeldspielern einsetzen. Wir hatten zwar ein paar Probleme in den ersten Minuten, aber es war ein bisschen besser als gegen Mönchengladbach, als wir ohne Kurzpässe gespielt haben. Ich schätze Hannover für diese Spielweise. Normalerweise stellen sich die Gegner hier in den eigenen Strafraum. Aber 96 wollte angreifen, das Spiel machen. Das ist gut für den Fußball und die Zuschauer.
Je länger man sich mit Guardiola unterhält, desto eher ist man geneigt, ihn als jemanden zu verstehen, für den Fußball eine Sucht ist. Jemand, der sich dem Fußball derart verschrieben hat, dass es ihm schwerfällt, eine andere Perspektive als die des aktiven Trainers und Spielers einzunehmen. Vielleicht schwebt Guardiola tatsächlich in einer eigenen Sphäre und wer ihn verdächtigt, die Fokussierung auf Fußball als Schutzwall vor lästiger Medienarbeit einzusetzen, tut ihm unrecht. Wer weiß. Nur eines ist sicher: Die Falten sind weniger geworden.

EPILOG

Am Ende hat Pep Guardiola seine schärfsten Kritiker doch noch ein wenig besänftigt. Er musste dafür nicht die Champions League gewinnen oder den Sichtschutz an den Trainingsplätzen entfernen. Der Trainer musste auch der "Bild" kein Einzelinterview geben oder eine Bundesligasaison ohne Niederlage überstehen.

Er musste einfach nur weinen.

Die Tränen, die Guardiola direkt nach dem Sieg im DFB-Pokal vergoss, haben prominent Einzug gefunden in die meisten Pep-Porträts. Im Olympiastadion war, so die Deutung, vielleicht zum ersten Mal in seiner Zeit in München der Mensch hinter dem zum Genie überhöhten Fußballtrainer sichtbar geworden. Mensch, Pep, warum erst so spät!
Wohl selten zuvor in der Geschichte des Fußballs wurde alles gedeutet und interpretiert, was ein Trainer tat und sagte - und noch viel mehr, was er nicht sagte. Es muss eine gewaltige Belastung sein, eine so große Projektionsfläche für Hoffnungen und Träume und auch für Unverständnis und Frust zu sein, wenn man selbst offenbar nur eins will: An Fußball denken, über Fußball sinnieren und reden. Und dass man ansonsten in Ruhe gelassen wird.

Beim FC Bayern wird man erleichtert sein

Guardiola ist ständig auf der Suche nach Gleichgesinnten, nach Fußballnerds, nach Interessierten. Ihnen öffnet er die Tür und bittet sie hinein, auch wenn er sie nach einer kleinen Tasse Tee gleich wieder wegschickt. Er selbst würde das natürlich nie zugeben. Aber diese Interpretation lässt es auch ein wenig nachvollziehbarer erscheinen, wenn der Katalane vor dem Spiel bei Benfica Lissabon einen Journalisten fragt, wie viele Spiele dieser vom Gegner gesehen habe: "Keines, oder?"
Beim FC Bayern wird man erleichtert sein, dass das Kapitel Pep nun beendet ist. Carlo Ancelotti wird es allen leichter machen als der sperrige Katalane, Ancelotti gilt als Treiber, nicht als Getriebener. Man wird ihn vielleicht sogar lieb gewinnen, selbstr. wenn er nicht so erfolgreich sein sollte wie sein Vorgänge
Und Pep? Wird er in Manchester geliebt werden? Wohl kaum. Fast genauso sicher ist, dass Guardiola dort trotzdem erfolgreich sein wird. Natürlich werden Kritiker unken, dass die Umstellung auf den englischen Fußball zum Problem für Guardiola werden könnte. Die Art, wie er seinen Stil beim FC Bayern verändert hat, im Großen durch die Anpassung an die deutsche Konterstärke, im Kleinen durch die an jeden einzelnen Gegner, an jede Spielsituation. All das zeigt, dass ihm vor der Premier League nicht bange sein muss.
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