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jueves, 19 de mayo de 2016

Anneliese. Debütroman von Anneliese Mackintosh: Nicht jugendfrei

Der Morgen danach


Getty Images
Der Morgen danach
Weil das Leben sonst so wenige Freuden bereithält, hat die Hauptfigur Sex. Viel Sex. In "So bin ich nicht" verarbeitet die Autorin Anneliese Mackintosh ihre eigene Lebensgeschichte - zumindest zu 68 Prozent.
Über ihr Debüt "So bin ich nicht" schreibt die britische Autorin Anneliese Mackintosh selbst: "Dieses Buch ist nicht für Kinder geeignet." Und sie hat allen Grund dazu. Vielleicht ist es nicht mal für jeden Erwachsenen geeignet. Denn wer mit Greta durch ihre multiplen Exzesse im Großbritannien der Millenniumsjahre stolpert, der muss hart im Nehmen sein. Greta macht in ihren 30 Jahren alles durch: Depression, Krankheit, Trennung, einen Todesfall. Und weil das Leben so wenige Freuden bereithält, hat Greta Sex. Viel Sex.Wobei: Das wäre in ihrer Sprache noch geschönt. Greta fickt, wie "eine Kuh im Schlachthaus in dem Moment vor dem Kehlenschnitt". Mal zu zweit, mal in der Gruppe. Mit Männern und mit Frauen, auf dem Autorücksitz und im Männerklo, gewollt und unter Zwang. Immer auf der Suche nach dem perfekten Orgasmus und dem Mann, für den sie alles tun würde, bis hin zur Selbstdemütigung. Das soll auch schon genügen.
Die vielen Toms und Dannys und Michaels in diesem Buch muss man nicht kennen. Es wäre sogar unsinnig. Jede Beziehung in Gretas Leben bleibt eine Nummer. Am Ende verabschiedet sich auch ein Traumweib wie Frances mit ihren wallenden kastanienbraunen Haaren von der Bettkante. Die letzten Worte: eine leere Hülse. "Vielen Dank für alles." Enttäuschung in Endlosschleife. Greta stürzt sich in Alkohol, ritzt sich, versucht sich umzubringen. Und bisweilen möchte man als Leser um Gnade flehen: Hat das Leiden denn nie ein Ende? Nein, hat es nicht.
Raffiniertes Spiel mit der Faszination des Grauens
Aus gutem Grund: Greta endloses Leiden ist Teil eines intelligenten, ausgefeilten Konzepts, das den besonderen Charme von Anneliese Mackintoshs Roman ausmacht. "68 Prozent sind wirklich passiert", schreibt die Autorin auf der Deckseite. Nach dem Tod ihres Vaters habe sie mit "So bin ich nicht" ihre Lebensgeschichte verarbeitet. Welche 68 Prozent dazugehören, will sie nicht verraten. Man möchte sich wünschen, dass es weniger wären.
Immerhin: Einiges hat die Autorin offenbar hinzugedichtet. Gut möglich, dass nicht einmal die 68 Prozent wirklich stimmen. Mackintosh verrät in Interviews wenig über ihre Vergangenheit. "Mit 15 war ich nicht sehr glücklich, hatte keine Freunde, gehörte nirgendwo dazu", sagte sie einmal in einem Gespräch mit der Schriftstellerin Rachel Connor. Aber ob das wirklich diese Greta, eine kaputte, beziehungskranke Trinkerin, ist? Mackintosh spielt raffiniert mit der Faszination des Grauens, die solche Spekulationen bewirken. Auf diese Weise schafft sie mit ihrem Romandebüt nicht nur eine spannende, weil fragwürdige Protagonistin. Sie beschwört nebenbei auch noch ein geheimnisvolles Bild der Autorin Anneliese Mackintosh herauf.
Bei ihren Lesern funktioniert das gut. Schon in den letzten Jahren schrieb Mackintosh Kurztexte "über Leid, psychische Probleme und mich mich mich". Mit ihrem ersten Buch legte sie in Großbritannien gleich einen Schnellstart hin. Der "Guardian" und der britische "Telegraph" listeten "So bin ich nicht" als überraschendes Debüt unter die besten Titel des Jahres 2014.
Autorin Anneliese Mackintosh
privat
Autorin Anneliese Mackintosh
Voller Schmerz ist jede dieser 30 Episoden, die Mackintosh wie in einer losen Bestandsaufnahme aneinander reiht. Ab und zu flimmern zwar Bilder einer behüteten Kindheit auf dem Lande auf: ein Nachmittag mit dem Vater beim Gemüsepflanzen, ein Blick durchs Fernrohr, hinaus aus dem Kinderzimmer und zum Sternenhimmel. Aber Mackintosh trägt nach und nach auch diese letzten Fragmente der Bilderbuchfassade ab.Trotzdem schafft es die Autorin fulminant, dem ganzen Schrecken einen unterhaltsamen, manchmal sogar witzigen Ton einzuschreiben. Das tut sie, indem sie die Erzählerin in der abgeklärten Sprache eines Menschen sprechen lässt, der mit allen Illusionen abgeschlossen hat. Greta nennt die Dinge beim Namen. "Die Trauer hat sie durchgefickt", sagt sie von sich selbst und fragt sich, wie das eigentlich so ist: normal sein. Aber wie soll man schon normal sein in einer so kaputten Welt, die nach Schweiß und Sperma und billigem Rotwein riecht? Ganz bei Trost ist hier keiner. Nicht Gretas suizidgefährdete Schwester, nicht der pornosüchtige Vater, nicht die enttäuschte Mutter. Und so absurd das auch klingen mag: Auf diese Weise ist der Roman doch eigentümlich tröstlich.
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